Harz

Harz – Reisen muss nicht viel Kosten

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Dieser Spruch ist mir erst im letzten Urlaub richtig bewusst geworden. Mitten im Harz. Bei eiskalten Temperaturen und Wetter, welches eigentlich so nicht geplant war. Aber so habe ich fünfzehn Euro sehr gut investiert.

Die Heimat der Harz

Die Gegend rund um den Harz ist meine Heimat. Dort wurde ich geboren und bin auch groß geworden. In einem kleinen Dorf. Zu dieser Zeit habe ich die Harz Gegend mehr gehasst als gemocht. Der Harz war einfach tot. Da war nicht los. Deswegen gab es auch kein schnelles DSL, wie in der großen Stadt. Für einen jungen Informatiker ist das quasi überlebenswichtig. Von Media Markt und Saturn auch keine Spur. Das war doch alles blöd. Man hatten nur ständig so ein paar Berge vor sich. Das ist doch tot langweilig. Nicht so tolle Berge, wie man sie in den Alpen hat. Ach und Handyempfang gab es natürlich auch fast nicht. Wir waren quasi abgeschnitten.

Ein wenig besser fand ich die Gegend dann als ich mit dem Laufen begonnen habe. Man hatte ganz nette Wege, aber dafür musste man auch ständig irgendwo hoch und wieder runter. Das war dann eher so eine Hassliebe. Zum einem nicht ständig von Autos belästigt zu werden und zum anderen sich einfach extrem anstregen zu müssen.

Eine Liebe entsteht im Harz

Trotz dieser Vergangenheit sitze ich mitten im Urlaub um 06:00 Uhr im Winter in meinem Auto. Mitten auf dem Weg in den Harz. Noch leicht verpennt. Aber mit der Kameraausrüstung im Rucksack. Das war nicht mein erster Trip in den Harz. Im Frühjahr war ich schon mal für ein paar Tage mit dem MTB da. Aber mehr für den Sport und weniger für die Fotografie. Diesmal wollte ich mir bewusst Zeit nehmen und mal gucken, wie sich der Harz so gibt.

Nach einer guten Stunde Fahrt wurde ich dann schon mit einem herrlichen Sonnenaufgang begrüßt. So das ich erstmal stoppte und ein paar Fotos machen musste. Der Himmel verfärbte sich Rosa und die Wolken hingen tief. Perfekt. So habe ich mir das gedacht.

Harz

Harz

Danach bin ich dann weiter nach Altenau. Habe in einem kleinen Laden noch ein paar Snacks besorgt und habe kurz dahinter meine Wanderungen begonnen.

Der Weg ging direkt am Dammgraben entlang, welcher einfach zu gehen ist und soweit ganz nett ist. Mein gewünschtes Licht für Fotos blieb leider aus. Blieb also mehr bei einem Spaziergang durch den Wald. Aber von Liebe war da noch nichts zu spüren.

Irgendwann kam ich dann beim Magdeburger Weg an. Ein schmaler Pfad, welcher sich Richtung Torfhaus zieht. Ein Weg der schon im Frühjahr recht beeindruckend war, aber eher weil es total lebensmüde war diesen mit einem MTB zu befahren. Links geht’s gut 10 Meter recht steil runter. Der Weg selbst ist nur dreißig Zentimer breit und von vielen großen Steinen gesäumt. Der Kick fährt also mit. Aber diesmal war ich ja zu Fuß unterwegs. Daher Kamera raus und los geht’s.

Magdeburger Weg

Der Weg wurde dabei von Schritt zu Schritt interessanter. So langsam zog Nebel aus und so bekam der Weg etwas leicht unheimliches. Aber auch dabei etwas sehr märchenhaftes. Perfekt um ein paar geile Bilder zu schießen. So konnte ich es mir auch nicht nehmen lassen mit Selbstauslöser dieses Foto zu machen.

Alleine im Nebel

Kurz danach war ich dann wieder an der Straße und musste überlegen. Kurzer Abstecher nach Torfhaus oder gleich weiter. Da ich schon spät dran war wollte ich lieber weiter.

Ein Spot stand noch auf dem Plan. Die Wolfswarte. Ein Aussichtspunkt nahe Altenau. Somit für rechts den Weg entschieden und nicht für links mit der Straße. Der Weg war dann vorerst recht einfach. Bis es dann zur Wolfswarte hoch ging. Ich hatte extra ein paar Trailschuhe mit ordentlichem Profil an. Aber wer konnte ahnen das kein Schnee liegt, sondern der Boden gefroren und vereist ist. So musste jeder Schritt bedacht werden und ich kam nur langsam an mein Ziel. Aber dafür gab es weiterhin eine Reihe sehr cooler Bilder.

Eisig, nebelig aber zu Hause
Auffallen zu jedem Preis

Verliebt im Harz

Nebeliger Blick von der Wolfswarte

Nach einiger Zeit erreicht ich dann endlich die Wolfswarte und dachte zwei Dinge zugleich. Zum einem „Wie geil ist das hier?“ und zweitens „Warum sehe ich fast nichts?“. Der Nebel wurde dichter und von Weitsicht konnte keine Rede sein. Dazu fegte noch ein eiskalter Wind über diesen Punkt. Es war einfach schweinekalt, aber dabei auch schweinegeil.

Immer das Ziel im Blick

Irgendwie fazinierte mich dieser Ort. Einfach weil es so einzigartig war und genau dort entstand dann auch diese Liebe. Das dieser Blöde Harz doch mehr zu bieten hat, als ein paar Bäume. Sondern richtig coole Gegenden. So habe ich dort oben einige Zeit verbracht. Habe was gegessen und die Zeit genossen. Aber die Temperatur im Minusbereich und vor allem der Wind trieben mich dann doch nach dreißig Minuten weiter.

So ging es danach wieder direkt Richtung Auto. Natürlich den direkten Weg. Wer will schließlich schon über Straßen wandern? So zog sich ein kleiner Pfad durch den Wald, welchen ich einige Zeit gefolgt bin. Aber jetzt so war, wie ich den Wald im Harz auch kannte.

Kurz bevor ich dann mein Auto erreichte kam natürlich die Sonne raus und das nur wenige Minuten vor dem Sonnenuntergang. Sie hing also ordentlich tief. Genau das was ich im Wald wollte. So konnte ich noch die Fotos machen, welche ich seit dem frühen Morgen im Kopf hatte. Das Spiel zwischen Licht und Schatten. Perfekt.

Am Ende doch noch das Bild vom Start
Lichtspiele im Wald

Danach ging es mit einem Grinsen auf dem Gesicht und eiskalten Händen zurück ins Auto und zurück nach Hause.

Wer sich jetzt fragt, wo sind die 15 Euro vom Anfang geblieben. Das waren die Spritkosten für die Fahrt hin und zurück und die Snacks. Mehr habe ich für diesen Tag von Erlebnissen nicht ausgegeben. Der Return on Investment war für mich schon beim Magdeburger Weg mehr als überschritten.

Es kann überall schön sein

Ja. Ich weiß. Früher konnte ich diese Art von Schönheit nicht wirklich schätzen. Irgendwann kam dann die Phase. Island und Neuseeland sind wunderschöne Landschaften und ich habe nichts hier. Aber darin habe ich mich eindeutig getäuscht. Jede Gegend ist auf ihre Weise schön. Hat ihre Eigenheiten und Charakter.

Für mich hat der Wald was mystisches. Nicht so mächtig, wie z.b. die Alpen. Sondern eher ein sehr heimliches Gefühl. Vielleicht auch weil ich aus dieser Gegend stamme. Liebt man die Natur und das Wandern, Laufen oder Rad ist man im Harz genau richtig. Man hat wunderschöne Gegenden und dabei oft noch seine Ruhe. Der Harz ist oft nicht so überrannt, wie manch andere Gegenden. Jedoch hat er im Nationalpark Harz so viele schönen Orte und Gelegenheiten, welche zum verweilen einladen.

Aus diesem Grund habe Ich auch ein Bild aus dem Harz ausgewählt. Als ich von GoEuro nach einem Bild von der Drohne gefragt wurde für einen Artikel, welchen man hier findet: Reisefotografie 2.0: Unterwegs mit Drohne

Manchmal hilft es einfach mal ein bisschen sich drauf einzulassen und mal seine Perspektive zu ändern.

Habt ihre eure Umgebung schon mal in einem neuen Licht betrachtet? Was ist euch aufgefallen? Wie würdet ihr die Gegend mit einem Satz beschreiben. Schreibt doch mal den Ort und den Satz in die Kommentare.

P.S.: Nochmal in Bewegung das Ganze

mafis

Arbeitet jeden Tag daran ein bisschen Besser als am Tag davor zu sein. Interessiert sich für Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauersport, Finanzen und Reisen.

20 Gedanken zu „Harz – Reisen muss nicht viel Kosten

  1. Hallo mafis!
    Tolle Bilder. Ich entdecke die Natur auch immer mehr für mich. Als Kind habe ich wandern gehasst – jetzt mache ich freiwillig Urlaub in der Natur. Ist vielleicht auch eine Frage zunehmenden Alters – bei dir hat es nicht so lange wie bei mir gedauert.
    Liebe Grüße
    Dummerchen

    1. Hey Dummerchen,
      stimmt. Kinder sind meist nicht so davon zu überzeugen. Ich war da wohl schon früher ein wenig eine Ausnahme. In den Alpen und so bin ich gerne mit meinem Vater los. Aber nie auf diese Art, wie jetzt. Da hatte ich nach zwei Stunden dann auch kein Bock mehr.

      Ob das was mit dem Alter zu tun hat? Kenne viele die im Alter dann All Inclusive machen um sich bloß nicht zu viel zu bewegen. Aber ich glaube auch das ist so ein Tick von Informatikern bzw. Leuten aus solchen Berufen. Den damit hat man ja irgendwie am wenigsten zu tun und kann dort dann mal richtig abschalten.

      Gruß,
      mafis

      1. Hallo Mafis,

        ich musste gerade schon etwas über deinen Kommentar schmunzeln: Ich selber arbeite auch in der IT und unternehme ebenfalls gelegentlich Ausflüge in meine Heimat das Münsterland. Leider mache ich dabei noch nicht so tolle Fotos wie du, aber daran arbeite ich 😉 Der Informatiker als Naturbursche, wer hätte das gedacht!

        Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und viel Freude bei deinen zukünftigen Reisen.

  2. Der Harz ist ein wunderschöner Ort! Ich kann dir noch das Ilsetal wärmstens ans Herz legen! Vor allem zum Fotografieren gibts da richtig viel zu sehen! 🙂

    1. Hey,
      ja das steht noch auf der Liste. Im Frühjahr waren wir da mal mit dem MTB durchgerauscht. Aber da hatten wir nicht so die Zeit. Bräuchte da nochmal so ein Wochenende.

      Gruß,
      mafis

  3. Der Harz wäre auch etwas für mich. Es wäre fantastisch, wenn man dort gute Versorgung mit dem Internet hätte. Dann könnte ich mir dort billig ein Haus kaufen, dort hinziehen und als Freelancer viel im Home Office arbeiten und jede Menge Geld sparen. Ich bin ja auch Informatiker und mag die Natur.

    1. Hey,
      mittlerweile ist das gar nicht mehr so das Problem. Mein Kollege wohnt in Osterode. Also direkt am Harzrand. Dort sind die Häuser auch nicht teuer. Eher günstig. Man hat alles da was man so braucht und seit neuem gibt es auch schnelles Internet. 50+.

      Also pack schonmal die Taschen 😉

      Gruß,
      mafis

  4. Danke, dass du uns ein wenig Harz mitgebracht hast. 🙂

    Ich selbst bin auch gerne in der Natur, habe aber leider einen ausgeprägten Überlebenssinn bzw. man könnte auch einfach sagen „Angst vor allem“. Deswegen verlasse ich ungern alleine ungeteerte Straßen, weil man mich nach einem Sturz nicht so schnell lebend finden könnte..

    Ich selbst schaue mir gerne die Sterne an. Wir sind eigentlich so klein im Vergleich zum Rest.. Auf dem Weg zur Arbeit gehe ich rund 500m durchs Grüne, worauf ich mich vor allem im Sommer immer sehr freue. Blumen, Vögel, Eichhörnchen, ab und zu eine Katze. Mein Highlight war, wie dort eine ganze Staffel Heißluftballons landete.

    1. Hey,
      ja das Sicherheitsbedürfnis kenne ich. Habe ich aber gefühlt in Slowenien komplett abgelegt 😀 solange einmal am Tag jemand vorbeikommt reicht mir das aus.

      Sterne sind toll. Ich liebe da Fotos zu machen. Aber im Winter ist es leider immer so kalt.

      Das mit dem Park zur Arbeit klingt aber sehr gut. Ich sehe immer nur die Straße. Egal mit welchen Verkehrsmittel ich fahre.

      Gruß,
      mafis

  5. Beim Anblick der Bilder komme ich doch glatt ins Träumen. Ich mag ja die Nordsee sehr gerne. Die schönen Nadelwälder , die Dünen und das salzige Meer. Klasse. Und das obwohl ich gar kein Informatiker bin … naja … ich arbeite in der Softwareentwicklung und hatte auch einiges an Computerei im Studium.
    Zum Ausgleich brache ich auch die Natur oder etwas handwerkliche. Ich mag es sehr im Hause etwas zu werkeln.
    Viele Grüße

    1. Hey Gurkenglas,
      ich muss sagen ich habe lange Zeit die Meere gemieden. Kein Ahnung warum. Vielleicht ein Trauma aus der Kindheit. Da war man halt schon so oft. Aber die Faszination dafür kann ich auch mittlerweile wieder verstehen. Das Meer hat auch was. Etwas beruhigendes irgendwie. Ähnlich wie die Berge, wo man einfach mal runterkommen kann.

      Und ich glaube das ist auch nicht nur ein Informatiker Thema. Sondern oft für Leute, welche sonst nicht so oft raus kommen 😉

      Gruß,
      mafis

  6. Wirklich tolle Bilder. Von meinem Heimatort sind auch nur maximal 2 Stunden bis in den Harz. Ich war also auch schon öfter mal da – wenn auch etwas länger schon nicht mehr. Danke also für den Anstoß!

    Dass man wie wild durch die Welt reist aber oft eben auch echte Perlen vor der Haustür hat, habe ich in meinem Reiserückblick 2016 auch festgestellt:
    https://www.freakyfinance.net/2016/12/21/teilnahme-an-der-blogparade-von-www-rundreise-suedostasien-de/

    In diesem Sinne: Entdeckt eure Heimat oder Umgebung (neu)!

    Beste Grüße
    Vincent

    1. Hey Vincent,
      Danke. Na dann schau mal wieder vorbei, wenn du in der Nähe bist.

      Der Rückblick ist wirklich überraschend. So viel rumgekommen und dann ist eine Stadt in Deutschland für ein super toll. Aber manchmal findet man halt Glück an den ungewöhnlichen Orten.
      Und ich hoffe beim nächsten Rückblick steht vielleicht der Harz mal mit drin 😉

      Gruß,
      mafis

  7. Schreibe „denn“ mit zwei „n“ und nicht am Satzanfang, das ist stilistisch katatstrophal. Am Anfang dachte ich, es wäre nur ein Tippfehler, aber dann doch ein systematischer Fehler. Generell bietet sich ein Korrekturlesen vor dem Veröffentlichen an. Es gibt auch Rechtschreibfehler.

    Trotzdem: Tolle Fotos!

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