Perfektionismus

Perfektionismus – Mein größter Feind

Letzten Sonntag war so ein Tag. Ein Tag an dem ich viel vor hatte, aber nichts geschafft habe. Warum? Normalerweise kommen jetzt ja Dinge, wie keine Zeit oder irgendwas kam dazwischen. Aber um ehrlich zu sein so etwas gab es bei mir nicht. Sondern eine viel schlimmere Sache. Perfektionismus.

Der Perfektionismus trieb sein Unwesen in meinen Kopf. Mal wieder. Meine größte Schwäche aktuell im Leben. Dabei sehe ich nicht das Streben nach Perfektion an sich nach einem Problem. Etwas möglichst gut zu machen finde ich sogar einen guten Grundsatz. Leider schlägt bei mir diese Perfektion meist in Prokrastination um.

Der Tag hatte ein paar Ziele

An dem Tag wollte ich eine Runde MTB fahren. Sofort kamen dann die Gedanken auf. Sonntag habe ich ja schließlich Zeit. Also was längere fahren und möglichst durch eine schöne Gegend. Eine passende Strecke planen muss man also auch noch. So habe ich mich nach und nach darein gesteigert in die perfekte Ausfahrt am Sonntag. So weit das ich am Ende überfordert war mit den Gedanken. Das schlägt dann wieder schnell in Unlust um und schon war das MTB fahren Geschichte.

Kurz danach flog dann der Gedanke durch den Kopf. Kamera einpacken und ne Runde durch den Wald. Aber sofort begann der Teufelskreis wieder. Welche Kamera? Welche Strecke? Nehme ich den Quadrocopter mit, obwohl der auf längeren Strecken doch recht schwer wird? Ach und eigentlich müsste ich Abends los, weil das Licht dann besser ist. Genau die selben gründe, wie beim MTB fahren hielten mich dann auch dort zurück.

Es könnte so einfach sein

Geschafft habe ich an den Tag nichts vom dem. Rein gar nichts. Was mich im Nachhinein noch viel mehr frustriert, weil es noch mehr gegen meine Grundsätze verstößt. Jeden Tag ein klein bisschen Fortschritt zu haben. Hätte ich mich zum Mittag einfach auf das MTB gesetzt für ein oder zwei Stunden hätte ich schon was gutes geleistet. Egal wie schnell oder weit ich dabei gekommen wäre. Ich hätte etwas getan und nicht nur darüber gegrübelt.

Danach hätte ich noch massig Zeit gehabt um die Kamera zu schnappen und ne Runde im Wald zu drehen. Mit oder ohne Quadrocopter. Ein paar gute Bilder und Eindrücke wäre dabei schon raus gekommen.

Es muss nicht perfekt sein

Das wäre nicht der perfekte Tag aus meinen Gedanken gewesen. Aber ein ziemlich guter und interessanter Tag. Ein Tag der sich gelohnt hätte ihn so zu verbringen und um einen Fortschritt zu erzeugen.

Diese Krankheit des Perfektionismus begleitet mich dabei schon viele Jahre. Vor dem ersten Schritt an der Börse habe ich mindestens 10 Bücher und 50 Videos gesehen. Bevor ich nur einen Cent in diesen Bereich investierte. Das Streben nach dem perfekten ETF hat ja schon Wochen gefüllt. Um nur 0,1 % an Gebühren zu sparen sind Stunden über Stunden drauf gegangen. So viel zum passiven Ansatz. Dabei ging es ja jetzt nicht Unsummen, sondern 100 €. Und dazu war es keine Lebensentscheidung, wie eine Familie zu gründen. Sondern eine Entscheidung, welche ich jederzeit verändern kann. Die Kosten einen „Fehler“ gemacht zu haben sind ziemlich gering. So eine Änderung habe ich sogar schon gemacht, weil ein ETF nicht mehr gepasst hat. Eine kleine Änderung von 5 Minuten. Ohne große Gedanken. Die Kennzahlen haben gepasst und von daher fließt das Geld jetzt in einen anderen ETF.

An dem Tag hatte ich ja dann Zeit ein paar Videos anzusehen. Nicht eine Unmenge. Um genau zu sein waren es drei Videos von drei Personen. Besonderst zum nachdenken und inspiriert hat mich dort mal wieder das Video von Matthew Mockridge. Das hatte ich vor kurzem mal auf Facebook gepostet. Aber jetzt habe ich wohl die Message noch besser verstanden.

Die Essenz aus all dem ist eigentlich ganz einfach. Mehr machen und weniger grübeln. Fehler machen und draus lernen.

Leider bewahrheitet sich dort wieder der Satz. Die einfachsten Dinge sind oft die Dinge, welche am längsten brauchen. Aktuell versuche ich diesen Schritt hinzubekommen bzw. gar nicht in diese Grübeln zu kommen. Dabei muss ich grade an den Herrn Finanzglück denken und seinen Oberfeldwebel Hönecke.

Das schwierigste am Laufen ist sich die Schuhe anzuziehen.
(Finanzglück)

Und jetzt ein paar Ausrufezeichen machen und weniger Fragezeichen. Obwohl ein Fragezeichen hätte ich noch.

Habt ihr vielleicht Tipps, wie man mit solchen Situationen umgeht? Oder passieren euch solche Situationen gar nicht?

mafis

Arbeitet jeden Tag daran ein bisschen Besser als am Tag davor zu sein. Interessiert sich für Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauersport, Finanzen und Reisen.

6 Gedanken zu „Perfektionismus – Mein größter Feind

  1. Wenn ich dir einen Rat dazu geben kann dann wäre es das 80/20 Pareto Prinzip möglichst überall an zu wenden:
    Meistens ist es so das mann mit 20% Aufwand 80% des Ziels erreichen kann.
    Zum Beispiel, bei der Erstellung einer Webseite: mit ein fertigen Template und Standardplugins ist der Aufwand minimal und deine Webseite (und potenziell: online Business) steht und läuft. Du kannst aber locker zigtausende Euros und hunderte Stunden in einen Custom-Theme und Custom Plugins (Programmierung) investieren. Lohnt es sich? Meistens nicht.
    Ich musste mich vor einigen Jahren entscheiden ob ich eine „perfekte“ Webseite (online business) entwickeln lasse, oder eben einfach eine Standard CMS und Plugins benutze. Habe mich für die Standardvariante entschieden und meine Seite war innerhalb wenigen Tage online. Heute habe ich solide Einnahmen davon. Ist immer noch nicht perfekt: die Fonts sehen nicht besonders gut aus,die Aufbau ist nicht perfekt, ich konnte nicht alles so umsetzen wie ich mir wünsche…aber es läuft.
    Ein anderes Beispiel wäre Sport: wenn das Ziel ist fit zu beiben, muss man nicht unbedingt täglich 3 Stunden trainieren. zBsp Tim Ferris (4 hour body) beschäftigt sich damit wie man mit wenigen Minuten Sport pro Woche Fett abbauen und Muskel aufbauen kann.
    Perfektionismus ist wirklich ein großer Feind. Denk einfach an 20/80 und lese einfach mal was Tim Ferris so betreibt.

    1. Pareto müsste ich mir eigentlich mal eintätowieren. Runter gebrochen machen glaube 1% des Aufwands über 50% der Zielerreichung aus. Jeden Tag z.B. 15 Minuten Sport machen viel aus.

      Das mit den Webseiten kenne ich. Als Entwickler denkt man immer das geht doch viel besser und toller. Aber eigentlich reicht dieses ganze Baukasten Kram in 80% der Fälle mehr als aus. Die Leute sind zufrieden und es reicht. Ich würde wohl auch nie auf die Idee mehr kommen eine eigene Webseite zu bauen. Jeder Baukasten kann das schneller und effizienter.

      Beim Thema Sport. Ja. Tim Ferris ist speziell. Kenne seine Bücher. Obwohl er ja auch einen anderen Ansatz hat. Ich mag ja den Triathlon. Also ich versuche gar nicht das Thema bis zum Ende zu optimieren. Aber dennoch stimmt es schon. Etwas zu tun im Sport ist besser als gar nichts. Außer man hat davor sehr viel gemacht. Intensität kann viel ausmachen.

      Ich werde mir wohl mal was einfallen lassen. Aktuell denke ich ja ein wenig über Selbstbestrafung nach. Wenn ich das nächste in so etwas tappe und weiter reinlaufe. Dann Spende ich einen Betrag oder ähnliches. Anders lerne ich das wohl nicht.

  2. Bei mir kommt es auf die Tätigkeit drauf an. Perfektionismus und Kleinlichkeit hat was Entspannendes für mich. Die Suche nach dem perfekten ETF, Berechnungen, Excel-Listen, Aufräumen.. Ob etwas ein Erfolgserlebnis ist, entscheidet man selbst. Vielleicht bekommst du ja doch noch den perfekten Ausflug geplant, sodass all die Überlegungen doch einen Sinn hatten. Vielleicht hast du auch ohne all den SchnickSchnack einen schönen Tag, vielleicht sorgen deine perfektionistischen Planungen auch mal zum unvergesslichen Erlebnis.

    1. Hey,
      Perfektion kann auf jeden Fall etwas an sich haben. Warum strebt man sonst danach? Bei mir ist ja das Problem dann eher. Es beginn erst gar nicht. Also manchmal will ich auch Dinge wirklich sehr genau haben. Das erfreut mich. Ob es sich lohnt ist dann ein anderes Thema.

      Mein nächsten Urlaub habe ich z.B. wirklich akribisch geplant. Ich kenne Orte, Wanderzeiten,Bilder. So genau bereiten sich die wenigsten wohl darauf vor. Aber ich weiß halt das die Zeit knapp dort ist und ich somit das beste Versuche rauszuholen. Ob der Urlaub episch wird? Mal sehen. Aber das liegt eher an mir. Ob er ohne so eine detaillierte Planung genau so gut wäre? Keine Ahnung. Aber ich würde mir dann vor Ort wohl viel mehr Stress machen. Genau das will ich ja im Urlaub aber eher vermeiden.

      Aber das sind halt Events. Für das tägliche Training macht es wenig unterscheid. Ob ich jetzt 10 Kilometer nach Osten oder nach Westen Laufe. Hauptsache ich tue es. Daran liegt ja finde ich das Problem. Perfektionismus im Alltag ist irgendwie schwierig. Oder ?

      1. Perfektionismus bringe ich eher mit sportbegeisterten Menschen wie dir in Verbindung. 😉 Perfekte Ernährung, Trainingsplan, achten aufs Äußere, ggf. sehr ordentlich. Im Alltag bin ich zugegeben sehr weit vom Perfektionismus. Vielleicht musst du dir beim Planen Grenzen setzen, wie detailliert du es ausplanst. Dass du alles in kurzer Zeit sehen willst, kann ich gut verstehen. Im Urlaub bin ich auch gerne unter Feuer und falle abends lieber halb tot ins Bett als was zu verpassen.

        1. Leuten wie mir ;P Natürlich versucht man dort irgendwo das beste rauszuholen. Aber wenn man mal ehrlich ist eigentlich macht man das aus Spaß. Bis auf die wenigen Profis.

          Ich denke auch Grenzen sind eine möglich. Man ist dann irgendwie auch gleich produktiver. Hat man nur die Zeit versucht man halt das beste rauszuholen. Wie bei einer Klausur. Das Ergebnis reicht dann. Damit muss man dann Leben.

          Und zum Urlaub. Finde auch im Urlaub rumgammeln ist das schlimmste.

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