Mietkaution zurückfordern

Mietkaution zurückfordern – Eine Odyssee beginnt

Die Mietkaution. Fast jeder muss sie zahlen, wenn man in eine Wohnung zieht. Zieht man aus kann sich das Thema ziehen. Einige Vermieter lassen sich eine Menge Zeit um die Kaution zurück zu zahlen oder zahlen teilweise gar nicht. Die Mietkaution zurückfordern ist von daher teilweise ein leidiges Thema. Aber wie kriegt man sie nun zurück?

Meine Story

Ich bin grade in dieser blöden Situation. Vor drei Jahren habe ich meine erste Mietwohnung bezogen. Die Mietkaution von 1059 € sogar vor Einzugstermin überweisen. Vorbildlich. Bis dahin lief alles mit der Hausverwaltung vorbildlich. Während des Wohnens beschleichen mich schon öfters mal Zweifel an der Kompetenz. Teilweise wurden Mieten doppel abgebucht. Die Rücklastschrift wurde über Monate hingenommen. Ans Telefon hat man keinen Bock.

Irgendwann hatte ich einen neuen Job und die Wohnung musste weg. Aus den Erfahrungen habe ich die Kündigung per Einschreiben geschickt. Sicher ist sicher. Darauf kann dann keine Rückmeldung. Alleine wegen der Wohnungsübergabe habe ich dann eine Menge Druck gemacht und konnte eine Übergabe am letzten Tag erreichen. Zum Glück. Wegen einem Raum wurde sich beschwert. Den haben wir dann noch gestrichen und den Schlüssel abgegeben. Kurz darauf erhielt ich dann das Wohnungsübergabeprotokoll. Top dachte Ich. Dann sollte ja alles klar.

Im Vertrag stand das Konto wird mit einer dreimonatigen Frist angelegt. So warte ich die drei Monate ab. Das war im Dezember, wo dann die erste E-Mail und Anruf kam. Aber nichts rührte sich. In den Moment kann mir dann langsam Zweifel auf und ich begann mich zu informieren. Die Gesellschaft steht grade nicht positiv im Internet da und somit vertiefte ich weiter ins Thema.

Anfang letzten Monats begann ich dann mit Anrufen wöchentlich. Dort wurde ich immer wieder vertröstet. Irgendwann reichte es mir. Ich setzte ein schreiben auf mit einer Frist. Mit dem letzten Satz im nächsten Schritt gerichtliche Schritte einzuleiten und genau dort stehe ich jetzt.

Rechtliche Seite der Mietkaution

Klare Gesetze gibt’s leider für diesen Fall nicht. Alles ist relativ schwammig ausgedrückt. Theoretisch muss der Vermieter die Mietkaution zurückzahlen, sobald keine Sicherheitsleistung mehr nötig ist. Man die Wohnung z.B. ohne Beanstandung zurückgegeben hat. Selbst ausstehende Nebenkostenabrechnung können dies nicht verhindern. Der Vermieter darf dann zwar ein Teilbetrag behalten um Forderungen auszugleichen, aber nur falls dieses nötig ist und nur in einer sinnvollen Höhe. Je nach Erfahrungen der letzten Jahre.

Trotzdem wird den Vermieter eine Überlegungsfrist eingeräumt. Dieses ist leider nicht genau präzisiert. Sie schwankt aber meist zwischen drei und sechs Monaten. Den nach sechs Monaten schlägt die Beweislast um. Nach sechs Monaten müsste ein Vermieter beweisen, dass der Mieter den Schaden verursacht hat und dies ist nur schwer nachweisbar.

Als Mieter ist man daher auf der sicheren Seite nach sechs Monaten gegen den Vermieter anzugehen. Natürlich unter den Aspekt nichts anderes ist vorgefallen.

Mietkaution zurückfordern – Was tun?

Anfangs würde ich den netten Weg wählen. Ab und zu wird der Vorgang wirklich vergessen. Aber damit kann man schon nach einem Monat ca. Anfangen. Den gute Vermieter schaffen in dieser Zeit schon alles zu klären. Regiert der Vermieter nicht hat man natürlich etwas Pech gehabt.

Nach sechs Monaten kann man dann in die vollen gehen. Eins der wichtigen Dinge ist es eine Frist zu setzten, weil nur dann der Vermieter in Verzug kommt. Eine passende Vorlage findet ihr auf Mietrecht.org. Regiert der Vermieter selbst in diesen Fall nicht gibt’s leider nur einen Weg und der geht über das Gericht. Ein passender Anwalt findet sich meist in jeder Stadt und wird die nächsten Schritte gut kennen.

Am Ende hilft leider nur der Anwalt

Aktuell bin ich ehrlich gesagt sehr traurig, wie die Situation sich entwickelt hat. Aus geschäftlicher Sicht denke ich, wie blöd muss man sein um seinen Ruf durch so dumme Aktionen kaputt zu machen. Außerdem wird diese Situation einfach denn Vermieter nur noch mehr Geld Kosten. Schwarze Schafe gibt’s wohl überall.

Ebenso finde ich die unklare rechtliche Situation sehr dürftig. Alles wird genausten reguliert in Deutschland. Einen Zeitraum für diese Fälle festzulegen ist unmöglich? Klar.

Ich war glücklicherweise auf die Kaution nicht angewiesen. Nur ein gewissen Zinsverlust geht mir aktuell durch die Lappen. Aber für viele ist dieses Geld in kurzer Zeit zurück zu bekommen sehr wichtig. Genau aus diesen Grund finde ich diese Situation eine Schweinerei. Grade unter den Aspekt, wenn die Wohnung komplett in Ordnung ist.

Mich würde jetzt natürlich mal interessieren, was ihr davon haltet? Gerne auch aus Sicht von Vermietern. Und ist vielleicht jemand dieser blöde Fall schon im Leben passiert oder bin ich mal wieder Vorreiter?

mafis

Arbeitet jeden Tag daran ein bisschen Besser als am Tag davor zu sein. Interessiert sich für Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauersport, Finanzen und Reisen.

8 Gedanken zu „Mietkaution zurückfordern – Eine Odyssee beginnt

  1. Same same, but different. Meine Ex-Vermieterin lässt sich trotz Fristsetzung und nettem Erinnerungstelefonat noch immer feiern. Mittlerweile liegt mein Auszug 6 Monate zurück und trotz allem sträubt sich was in mir, hier rechtliche Schritte einzuleiten. Es ist albern, ich weiß, aber ich versuche es noch immer freundlich zu lösen 🙁

    1. Warum? Du bist doch im Recht. Würde mir nicht so viele Gedanken dort machen. Grade wenn es dir nur noch mehr Stress bereitet, wenn du immer drüber nachdenkst. Irgendwann hilft freundlich leider nicht mehr.

      Anwälte können ganz nett sein. Vor den braucht man keine Angst haben. Einmal alle Unterlagen hinbringen und dann hat man Ruhe.

  2. Hi Mafis,
    ich würde jetzt mit der Anwaltskeule drauf hauen – ist lästig, aber Deinen Beschreibungen nach zuckt die Gegenseite ja nicht. Lass den Anwalt machen. Ich würde vermuten, dass auch ein Zinsausfall aufgeschlagen werden kann – würde ich gleich mal beim Anwalt nachfragen.
    Negative persönliche Erfahrungen habe ich keine gemacht und im Falle eines weiteren Umzugs wird’s auch keine Probleme geben. Warum? Unser Vermieter ist sehr gutgläubig und hat uns die Mietkautionshinterlegung erlassen 😮 ! Erstaunlich, dass es sowas gibt. Auch sonst sind wir mit dem Vermieter glücklich – er aber auch mit uns.
    LG
    Dummerchen

    1. Hey Dummerchen,
      in zwei Tagen läuft die Frist ab. Mal sehen, ob sich noch was geht. Glaube ja nicht.

      Aber wenn dann am nächsten Tag gleich zum Anwalt gehen. Zinsausfall ist auf jeden Fall drinne und geht dann eher in ein Mahnverfahren.

      Aber dann nicht mehr mein Thema direkt. Mal gucken.

      Ich muss sagen ich habe zwar bei der neuen Wohnung wieder Kaution gezahlt. Aber habe hier ein deutlich besseres Vertrauen. Der Vermieter ist der Schwiegervater eines Freundes und Probleme werden sofort behoben. Von daher sehe ich im Fall der Fälle nicht die Probleme, wenn alles ok ist. Also die ganze Sache ist eher ein privater Vermieter. Bei dir wohl ähnlich.

      Das mit keiner Kaution kenne ich von der Familie. Hat mich gewundert, aber schön wenn es sowas gibt.

      Die letzte Wohnung war halt durch eine Gesellschaft vermietet. Der Eigentümer war ein privater. Gefühlt treten in dieser Abhängigkeit auch die meisten Probleme auf. Die Gesellschaft hat wenig Interesse am Gebäude selbst und will Geld verdienen. Keine gute Kombination.

      Aus den Grund kann ich eigentlich nur begrüßen das viel mehr private das Vermieten in die Hand nehmen.

      Gruß,
      mafis

  3. Ich habe auch lange auf die Rückzahlung warten müssen. Offizielle Begründung war, dass man die Jahresendabrechnung (Wohnanlage, mehrere Eigentümer/Vermieter) abwarten müsse, da sich daraus möglicherweise zusätzliche Forderungen ergeben.
    Macht aus meiner Sicht schon Sinn und ist (glaube ich) auch rechtlich sauber.

    1. Die Begründung schieben solche Vermieter gerne vor. Natürlich dürfen sie bei erwartenden offenen Forderungen ein Betrag zurückhalten. Aber nur wenn diese Begründung auch Hand und Fuß hat, weil z.B. jedes Jahr nachgezahlt wurde. Dann ist diese Sicherheitsleistung begründet. Dabei dürfen sie aber nicht die gesamte Kaution behalten, sondern nur die erwartete Forderung. Hast du also eine Kaution von 1000 € und eine Nachzahlung von 100 € wird erwartet, dann müssen sie die 900 € sofort überweisen. So ist es rechtlich richtig.

      Aber ich kenne es. Man scheut in den Moment genauer nachzufragen, weil sie sich dann meist noch mehr quer stellen. Ohne Kläger passiert dann natürlich nichts.

  4. Moin Mafis,

    ich kenne beide Welten – als Mieter in diversen Mietwohnungen und als Vermieter meiner beiden Butzen auf dem Prenzl Berg. Auf die Kaution unserer letzten Mietwohnung, bevor wir in unser Haus gezogen sind, haben wir ewig gewartet. Da wir auf das Geld nicht angewiesen waren, und ich von Haus her ein friedliebender Mensch bin, haben wir keine rechtlichen Konsequenzen in Erwägung gezogen. Nach vielen Anrufen und nachhaken haben sie dann irgendwann die Kohle geschickt. Wirklich nervig. Und es war tatsächlich auch eine der großen Immobilienfirmen. Scheint also System dahinter zu stecken.

    Aber mal ganz ehrlich: Ich verstehe es nicht. Ich fahre bei meinen Mietern eine Kuschelstrategie. Wie würde ich selbst gerne behandelt werden? Auf E-Mails antworte ich am besten sofort. Wenn es Probleme gibt, sollen sie direkt einen Handwerker selber rufen und mir die Rechnung schicken. Es kann jetzt Zufall sein, aber ich hatte noch nie Probleme mit einem Mieter. Ganz im Gegenteil. Es gab einen Fall, da war die (mit gemietete) Spülmaschine kaputt. Als der Handwerker kam, ging sie wieder (der Klassiker – kenne ich auch zu gut). Mein Mieter hatte sich dann bei mir für die Unannehmlichkeit entschuldigt und die Rechnung selber gezahlt. Coole Sache.

    Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Es ist mir ein Rätsel, warum einige Vermieter ihre Mieter wie Dreck behandeln. Das ist doch für einen selbst am Schlimmsten. Selbst bei den großen Verwaltern müsste es doch mehr kosten (Anrufe annehmen, Beschwerden bearbeiten etc.) als das man durch die spätere Überweisung der Kaution einspart. Besonders in den heutigen Zeiten.

    VG, Nico

    1. Hey Nico,
      wahrscheinlich lernt man aus Situationen als Vermieter oder? Diese gute Beziehung mit den Mietern ist doch super. Ich würde aktuell genau so handeln als Mieter. Dinge auf meine Kappe nehmen, wenn ich „Schuld“ bin. Ist ja für beide Seiten viel besser. Als Vermieter bekommt man so kleine Schäden oft mit, welche vielleicht sonst verschwiegen werden. Mit der Zeit werden klein Schäden sonst richtig teuer. Von daher sollten sich mehr ein Vorbild an solchen Vermietern nehmen, wie dir. Stressfreier für beide Seiten.

      Die großen Gesellschaften kommen mir etwas vor, wie die Banken. Zu groß und mächtig in machenden Gegenden und es geht gefühlt rein um die Provision. Schon traurig. Bin da ganz deiner Meinung. Die Umkosten für diesen ganzen Quatsch sind doch viel höher als diese Verzögerung. Aus BWL Sicht vollkommen unlogisch. Aber nun ja. Mal gucken, wie sich die Gesellschaft äußert, wenn es vor Gericht geht.

      Gruß,
      mafis

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