Weniger ist mehr

Weniger ist mehr – Tell a story

Mit einem gute gefüllten Notizbuch und einer randvollen Speicherkarte kommt man von der Reise wieder. 40 Seiten. 1000 Fotos und 10 Stunden Videos. Und nun? Für mich kommt jetzt erst die Arbeit. All diese Daten zu haben ist toll. Aber sagt mal selbst. 1000 Fotos von Freunden anzusehen macht nicht wirklich Spaß. Spätestens nach 50 Bildern wischt man gelangweilt weiter. Einem selbst geht es nicht anders, wenn die Glücksgefühle der Reise erstmal etwas verflogen sind.

Daher kommt jetzt die schwerste Aufgabe.

Weniger ist mehr

Leute lieben es Geschichten zu hören. Spannende Geschichten. Solche Geschichten sind kurz. Sehr kurz im Gegensatz zum Ausgangsmaterial. Bei Kinofilmen werden 200 Stunden Material auf zwei Stunden Film gekürzt. Ein 1% kommt so nur in den Film. Davon sollte man sich inspirieren lassen.

Ich selbst denke fange meist mit den Notizen an. Markiere mir alle Momente, welche mir besonders wichtig waren. Momente, wo ich mich noch in zwanzig Jahren dran erinnern will. Da bei fliegt eine Menge raus.

Zu diesen Momenten suche ich mir dann die Fotos und Videos. Alles passend um eine Geschichte zu erzählen. Bei den Bildern und Videos habe ich dabei noch ein zweites Prinzip.

Eins, zwei oder drei? Dabei bewerte ich die Bilder und Videos nach Gefühl. Dabei fange ich immer bei eins an und nehme alle Bilder/Videos, welche OK waren. Bilder/Videos die man aufheben will, aber nicht unbedingt zeigen muss. Dann nehme ich die Einser Bilder/Videos und gehe sie nochmal durch. Markiere die Bilder/Videos mit einer zwei, wenn sie herausbrechen. Bilder, welche man bei Nachfrage mal zeigen würde. Zuletzt kommt die schwierigste Aufgabe die Dreier Bilder. Dort gehe ich alle zweier Bilder durch und nehme nur die wirklich besonderen Bilder, welche eine Story erzählen. Bilder die zu meinen Notizen und der Reise passen.

Ich weiß das ist nicht einfach. Aber sehr wirkungsvoll. Auf einer Hochzeit habe ich knapp 900 Bilder gemacht. Bevor sie überhaupt jemand gesehen hat waren es nur noch 200. Und das waren die Braut und die direkte Familie. Danach habe ich noch weiter gekürzt. Am Ende waren es gut 74 Bilder um sie an alle zu teilen. 900 Bilder hätte sich niemand angesehen. 74 hingegen haben sich viele Leute angesehen. Den das ist Spannend.

Nicht Out of the Box

Bei Bildern und besonders bei Videos ist die Bearbeitung ein sehr wichtiger Schritt. Dabei muss man kein Photoshop Meister sein. Bei Bildern z.B. bietet fast jede Software eine automatische Verbesserung an, welche die Bilder einfach lebendiger wirken lässt. So kann aus einem schlechten Bild sehr schnell ein sehr besonderes werden. Man unterschätzt oft das Potential von vielen Bildern. Bei dem Bild unten habe ich z.B. grade mal 10 Sekunden investiert. Mit der Zeit bekommt man dort einen Flow, also nicht abschrecken lassen, wenn es am Anfang etwas dauert.

Weniger ist mehr

Bei Videos finde ich nichts schlimmeres. Als ein unbeschnittenes Video. Vier Stunden MTB durch die Alpen. Langweilig. Nehmt die Videos kürzt sie pro Szene auf so 5-20 Sekunden. Macht sie hintereinander. Dazu noch etwas Musik drunter oder besser man redet schon etwas bei der Aufnahme der Videos. Dafür gibt es heutzutage eine Menge guter Software, welche einem sehr unterstützt. iMovie auf den Mac z.B. oder Magix für Windows. Dabei muss kein Blockbuster entstehen, sondern ein kurzer Film mit den wichtigsten Momenten.

Eine Geschichte erzählen

Hätte ich jetzt diese 40 Seiten, 1000 Fotos und 10 Stunden Videos gehabt. Dann will ich persönlich am Ende so 1-4 Seiten Notizen, 100 Fotos und 15 Minuten Video haben. Desto weniger desto besser. Jeder der sich für deine Reise interessiert, wie du selbst z.B. wird gerne Mal einen Blick drauf werfen. Und vielleicht will derjenige noch mehr sehen. Kein Problem. Dann hat man noch 900 Fotos und vieles anders in der Hinterhand. Aber nur dann.

Dabei weiß ich all dies ist nicht einfach mal gemacht. Sondern wird schon einmal einen Tag Arbeit kosten. Aber ein Tag, welcher es Wert ist. Den was bringen mir all die Erinnerungen, wenn Sie niemanden interessieren. Nicht mal mich selbst mehr. Oder nicht?

Wie schaut das bei euch aus? Trefft ihr eine Vorauswahl oder werft ihr alles in die Welt hinaus? Oder wart vielleicht schon mal genervt als ein Freund seine tausend Fotos vom Urlaub gezeigt hat?

mafis

Arbeitet jeden Tag daran ein bisschen Besser als am Tag davor zu sein. Interessiert sich für Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauersport, Finanzen und Reisen.

3 Gedanken zu „Weniger ist mehr – Tell a story

  1. Aussortiert wird auf jeden Fall, mit den Digitalcameras sind heutzutage ja auch immer zig doppelte Bilder dabei. Übrig bleiben aber dennoch meist über 50 Fotos.
    Sofern ich die Muse dazu habe, brenne ich die Fotos auf CD und unterlege das ganze noch mit passender Musik. Das muss reichen.

  2. Bin über trusted blogs hier gelandet, interessanter Artikel!
    Ich bin mittlerweile rigoros was das Aussortieren von Bilder angeht. Erstens will, wie du schreibst, niemand alle sehen und zweitens, habe ich auch selbst nicht die Zeit mich durch alle Bilder zu klicken, wenn ich mal ein wenig in Erinnerungen schwelgen möchte.
    Ebenso wie du, gehe ich auch in mehreren Durchgängen über das „Ausgangsmaterial“ – allerdings nutze ich nicht mehr die Bewertung – nur „X“ in Lightroom, alles ohne X bleibt. Im ersten Durchgang fliegen alle Bilder raus, die unscharf oder fehlbelichtet sind, im zweiten kommen die aussagelosen und langweiligen Bilder weg. Dann wird jedes Bild etwas bearbeitet (ausrichten, bisschen Regler schubsen) und ich schaue, was aus den einzelnen Fotos rauszuholen ist – fehlt mir die Motivation ein Bild zu bearbeiten (weil es nichts hergibt, nicht zu retten ist oder sonstwas), fliegt es in der Regel auch raus. Nach dem schnellen Bearbeiten, dann nochmal eine Durchsicht, nochmal nachdenken „Brauch ich das wirklich?“.
    Aus dem, was dann noch übrig, gibt es eine Auswahl der Besten für Freunde, Verwandte und Blog – wobei je nach „Zielgruppe“ die Auswahl unterschiedlich ausfällt ;). Die „Besten“ bekommen auch nochmal eine aufwendigere Spezialbehandlung.

    Auch nach ein einigem Abstand schaue ich mir Bilder erneut an, und sortiere im Zweifel einzelne aus, die nicht mehr gefallen – was übrig bleibt, bleibt dann bei mir :).

    1. Hey,
      endlich mal jemand der mich versteht. Du bist eindeutig noch etwas strikter. Schon länger dabei?

      Bei mir wird das mit der Zeit immer kritischer habe ich gemeckert. Anfangs habe ich doch viel Kram einfach so fotografiert und behalten. Mittlerweile wird es doch hart.

      Zielgruppe ist wirklich noch ein gutes Thema. Desto öffentlicher, desto mehr private Bilder fliegen meist bei mir raus. Grade bei anderen Leuten auf den Bildern. Aber auch dort hat ja jeder ein anderes Interesse. Den einen interessiert die Landschaft und den anderen das Essen.

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