Glücklich

Reisen macht nicht glücklich

Leicht glaubt man Reisen macht glücklich. Das ist ein Trugschluss. Reisen ist nichts was glücklich macht. Nur weil man an einen besonderen Ort reist hat das nichts mit glücklich sein zu tun. Viel mehr sind es kleine Dinge, welche wir oft anders machen, aber wofür wir nicht weit Reisen müssen.

Reisen macht nicht glücklich

Vor einigen Jahren auf einer kleinen Insel bei Griechenland. All-Inklusive. Man musste das Gelände für eine Woche nicht verlassen. Man hatte alles vor Ort. Drum herum gab es um ehrlich sein nichts besonderes. Trockenes Land. Ein wenig wie im Film, wo die leichten Gestrüppe an einem vorbei ziehen. Das Land dort war wahrscheinlich recht günstig. Den im Meer wollte man dort nicht wirklich schwimmen.

Die Woche verflog wirklich rasend. Glücklich sein kam nur in kleine Etappen vor. Aber warum? Wo doch alle im Nachhinein das tolle Hotel und die Anlage bewundern. Keine Frage. Das Hotel und die Anlage mit Pool war Klasse. Aber die Anlage hätte eben so gut in Deutschland stehen können. Einen Unterschied hätte das für mich nicht gemacht. Bis auf die Außentemperatur.

Den mit dem All Inclusive Armband war der Tagesablauf recht einfach. Frühstücken, Mittag und Abendessen so viel wie möglich rein stopfen. Tun sich zwischendurch Lücken auf Nachlegen mit Essen. In der Zwischenzeit verbringt man die Zeit am Pool. Liegend natürlich.

Die Anlage zu Verlassen gleicht der Flucht aus dem Paradies. Warum sollte man das tun?

Zwei Dinge die ich gelernt habe

Ich habe bei dieser Reise zwei Dinge gelernt. Zum einem All Inclusive ist für mehr als ein Wochenende nichts für mich. Man hat dort ständig die Angst etwas zu verpassen. Eigentlich nur die nächste Mahlzeit. Aber nun gut.

Andererseits heißt Reisen nicht glücklich sein. Den diese Reise hätte ich genau so gut zu Hause machen können. Morgens, Mittags und Abends Essen gehen und den Rest am Pool verbringen. Oder halt ins nächste Hotel. Dafür hätte ich nicht viele Kilometer mit dem Flugzeug Reisen müssen.

Für mich war es einfach ein fauler Alltag. Der mich persönlich nicht glücklich macht. Ich will die Zeit nutzten die ich habe und nicht Stunde um Stunde auf die nächste Mahlzeit warten.

Wir haben trotzdem das Paradies ab und zu verlassen. Ins nächste kleine Dorf. Ein kleine Fischerstadt. Ein Ausflug auf eine nahe Insel. Leider hatte ich da noch keine Kamera ständig dabei. Den das waren die Momente, wo ich wirklich ein Gefühl von Glück hatte.

Ohne diese Ausflüge hätte ich Rückblickend nach der Reise drei Dinge sagen können: „Ich war dort. Wiege fünf Kilogramm mehr und die Haut ist etwas dunkler geworden.“ So kann ich zumindest sagen: „Wir hatten zwischendurch ein paar glückliche Momente“.

Rituale machen den Unterschied

Im Nachhinein denke ich das Glück kam nicht durch die Ausbrüche aus dem Paradies. Sondern dem Ausbruch aus einer Gewohnheit. Die des Alltags oft in seiner kleinen Welt zu Leben. Dann einfach etwas tun, welches man vorher noch nie getan hat. Wer spaziert den im Alltag einfach mal ins nächste Dorf um einfach sich etwas um zu schauen? Oder reist zum nächsten „Highlight“ in der Nähe, welches für viele ein Altbekannter ist. Die wenigsten Menschen.

Nicht das diese Gewohnheit für alle das Gefühl von Glück hervorruft. Aber dennoch denke ich auf Reisen bricht man viel öfters mal aus seinen alltäglichen Gewohnheiten aus. Früher aufstehen, in die Stadt gehen, einen kleinen Trip unternehmen. Nichts was man nicht überall tun könnte. Selbst zu Hause. Aber im Alltag gehen sie doch sehr schnell unter.

Die Arbeit an sich selbst macht glücklich

Für mich sind diese Gewohnheitsänderungen am meisten Unterschätzt. Die Arbeit an sich selbst. Für mich ein Kernpunkt fürs glücklich sein. Jeder will doch am nächsten Tag ein klein bisschen weiter sein als am vorherigen Tag?

Egal ob man diesen Punkt auf Leistungsfähigkeit, einer stärkeren Beziehung oder Erfahrungen bezieht. Diese oft sehr unterschwellige Arbeit an sich selbst auf Reisen. Sind wohl die größten Glücksbringer auf Reisen. Und das gute dafür muss man gar nicht Reisen. Diese Fortschritte kann man am anderen Ende der Welt genau so erreichen oder auch nicht erreichen, wie bei den Schwiegereltern im Garten.

Oder nicht? Was meint ihr macht Reisen glücklich? Oder sind es viel mehr die Dinge, welche wir oft auf Reisen anders machen?

mafis

Arbeitet jeden Tag daran ein bisschen Besser als am Tag davor zu sein. Interessiert sich für Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauersport, Finanzen und Reisen.

14 Gedanken zu „Reisen macht nicht glücklich

  1. Dass Dich der All-Inclusive-Urlaub nicht glücklich gemacht hat, wundert mich nicht. Klingt fast nach Viehmast unter gleißender Sonne 😉 . Diese Art von Urlaub habe ich noch nie ausprobiert und werde es wohl auch nicht tun. Bei uns wird immer fleißig im Vorfeld nach Ausflugsideen recherchiert. Meine bessere Hälfte hat sich dieser Passion zumeist hingegeben, so dass in den ersten gemeinsamen Urlauben immer „durchorganisierte“ Programme erarbeitet wurden. Klingt ein wenig anstrengend – war es mitunter auch :-). Irgendwann habe ich sie dann davon überzeugen können, dass man auch einfach mal „planlose“ Tage dazwischen schieben kann. Sie war rückblickend begeistert – weniger Vorbereitungsstress für sie und weniger Stress vor Ort. Seitdem haben wir eine gute Mischung gefunden, die uns beide glücklich macht. Wir unternehmen gelegentlich etwas, aber stressen uns nicht (mehr), alle kulturellen Sehenswürdigkeiten aufgesucht und von der Liste gestrichen zu haben.
    Und um auf den Aspekt des Glücklichseins zurückzukommen. Ich habe Urlaub nie damit in Verbindung gebracht. Glücklich werde ich nicht durch einen Ortswechsel. Glücklich bin ich, wenn ich etwas mache, das für mich eine Bedeutung hat. Sei es eine Bedeutung im Hier und Jetzt oder in Hinblick auf meine Zukunft. Das kann im Urlaub oder im Alltag passieren.
    Für mich hat Urlaub auch eher etwas mit Entspannung, dem Entdecken von Neuem, dem Ausbrechen aus dem Alltagstrott zu tun. Das kann dann natürlich auch zu Glücksmomenten führen. Ich würde aber nie sagen: „Ich fahre jetzt mal in den Urlaub, um glücklich zu sein.“

    Liebe Grüße
    Dummerchen

    1. Hey Dummerchen,
      All-Inclusive wird dann interessant, wenn man sich nicht mehr bewegen kann 😀

      Das mit dem zu viel planen erinnert mich irgendwie an den letzten Urlaub in den Alpen. Vorher schon haargenau überlegt, welche MTB-Touren wir den fahren. Den wir hatten nur vier Tage dort… Mitten im Sommer kam dann das Wetter ins Spiel. Fast jeden Tag hat es geschüttet und nur um die 14-16°C. Vielen Dank.

      Haben die Touren zwar trotzdem durchgezogen. Aber das war gefühlt mehr Stress als andere. Ich denke der Weg mit wenigen wichtigen Punkten ist deutlich besser, als alles vorauszuplanen.

      Der nächste Trip in den Harz ist den Gedanken deiner Frau sehr ähnlich. Wir haben ein paar Punkte, welche wir gerne sehen müssen. Aber einen direkten Plan gibt’s nicht. Wir gucken Abends immer, wo wir gerne am nächsten Tag sein wollen. Mal gucken, vielleicht gefällt mir diese Art noch viel besser zu Reisen.

      Dann würde ein echten Roadtrip nichts mehr im Wege stehe.

      Gruß,
      mafis

    2. Ich schließe mich dort mal Dummerchen und Alelab an. Vom Grundgedanken war wir ähnlich gepolt. Jeder hat nur in eine andere Richtung geschrieben. Schreibe grade aber an einem ähnlichen Thema 😉

      Gruß,
      mafis

    1. So richtig widersprüchlich sind die beiden Artikel eigentlich nicht – auch wenn die Titel konträrer nicht hätten sein können. Der eine schreibt „Der Vorgang des Reisens macht nicht per se glücklich“, der andere „Reisen kann Dir glückliche Momente bescheren“.
      Allerdings würde ich die Naturerlebnisse auch dem All-inclusive-Programm vorziehen 🙂

  2. Hallo mafis,

    interessanter Artikel! Ich stimme mit dir überein, dass Reisen für sich nicht glücklich macht. Für mich sind es die Erlebnisse und Entdeckungen während dieser Reisen, die die Glücksmomente und schönen Erinnerungen auslösen. All-Inclusive Urlaub ist auch schön, aber nichts was mich wirklich glücklich machen würde bzw. einen besonderen Platz in meinen Erinnerungen bekommt. Zur Entspannung ist diese Form des Verreisens jedoch brauchbar (für mich allerdings nur bei Kurztrips :-)).

    Wichtig ist für mich bei einer Reise das nötige Mittelmaß zwischen Entspannung und Aktivitäten, die mich neues entdecken und erleben lassen, zu finden. Zu überladen und stressig darf eine Reise nicht sein, da ich sonst die einzelnen Erlebnisse nicht voll aufnehmen und genießen kann, was bei mir ein ganz zentraler Schlüssel zum Glück beim Reisen ist.

    Gestern haben wir für unseren nächsten Urlaub mit der Planung begonnen. Wir sind momentan soweit, dass wir einmal das Glamping für uns ausprobieren möchten. Wahrscheinlich geht’s dann nach Spanien, wenn wir das wirklich ausprobieren werden.

    VG

    1. Hey alelab,
      das stimmt. Für so einen Wochenendtrip für also so 2-3 Tage in einer coolen Gegend kann ich mir das auch vorstellen noch. Denke dort grade an diese Schwimmhalle bei Berlin. Da hätte ich mal richtig Bock drauf. Aber dann nach einer Zeit, wo man es sich auch „verdient“ hat.

      Das Thema Stress kann wirklich schnell aufkommen. Leider. Ich denke mittlerweile beim Reisen ist überoptimierung keine positive Eigenschaft. So sehr ich die Optimierung auch liebe. Diese sollte bei der Arbeit bleiben.

      Glamping habe ich vorher noch nie gehört. Sieht aber interessant aus. Ich selbst mag Camping sehr. Man ist so schön flexibel. In Deutschland etwas Schade das man gezwungen wird auf Plätzen unterzukommen. Zum Glück darf man Biwaken.

      Gruß,
      mafis

  3. Reisen kann sogar unglücklich machen.

    All-Inclusive ist auch eher nicht so mein Fall, wobei wir einmal eine anstrengende Rundreise unternommen haben und am Ende noch für 2 Tage in einen richtig guten AI-Schuppen untergekommen sind. Für die kurze Zeit als entspannender Abschluss war es okay. Man sieht also mal wieder: Keine Regel ohne Ausnahme.

    Ich glaube, vielen Menschen fällt es schwer zu Hause aus ihrem Alltag auszubrechen. Der Haushalt macht sich auch nicht von alleine und dann fällt einem noch dies und jenes ein, was noch unbedingt erledigt werden muss. Einfach mal wirklich zu relaxen fällt abseits der eigenen vier Wände oft leichter.

    1. Ja, ich denke nach einer anstrengenden Zeit sind so ein zwei Tage sehr nett. Wenn man das dann in vollen Zügen genießt hat man es richtig gemacht.

      Zu Hause ist wirklich so ein Thema, wo viele Probleme haben. Obwohl ich denke man könnte zu Hause sehr ähnlich sein. Man müsste halt den Rest ausblenden. Dieses Ausblenden beherrschen aber nur wenige.

  4. Hallo mafis,

    ich sehe es ebenso wie du im letzten Abschnitt. Der Alltag muss einen glücklich machen. Wenn ich unglücklich, und verdrießen bin wird mich auch eine Reise kaum glücklicher machen. Dann würde ich die freie Zeit eher mal nutzen um dem Grund des Problemes auf den Grund zu gehen. Wobei eine Reise mich auch nicht zwangsläufig glücklich machen muss. Manchmal ist es auch einfach gut etwas anderes zu sehen um sich neu zu fokussieren. Kommt natürlich darauf an was man sich von der Reise erhofft.
    Grüße
    Benedikt

    1. Hey Benedikt,
      du sprichst mir da eindeutig aus der Seele. Hat man ein Problem sollte man das Grundproblem suchen.

      Ich gebe zu ich habe schon öfters mal über so etwas, wie den Jakobsweg nachgedacht. Nicht den Jakobsweg selbst. Aber einfach mal so eine Zeit für mich und meine Gedanken alleine. Obwohl da wieder Erwartungen aufkommen mit der Lösung danach da zu stehen.

      Oft versuchen ja gescheitere Beziehungen mit solchen Reisen nochmal etwas zu retten. Glaube dort sieht man meist sehr gut, wie wenig eine Reise einen Unterschied macht. Ist man vorher schon unglücklich, dann bringt ein die schönste Reise auf Dauer nichts.

      Gruß,
      mafis

  5. Hallo mafis,

    also ich gebe dir vollkommen recht in dem Punkt, dass Reisen alleine nicht glücklich macht. Jedoch bietet es bei mir oft die Zeit sich Erinnerungen zu schaffen, neue Mentalitäten kennen zu lernen. Und das lässt mich als Person wachsen und macht mich glücklich. Somit ist es eben bei mir das Reisen alleine nicht, aber es bietet eine tolle Möglichkeit seine Komfortzone zu erweitern und den Alltag wieder mehr zu schätzen.

    Zu deinem Punkt mit dem All-Inklusive Urlaub: Ich kenne es aus meiner Jugendzeit. Als wir mit unseren Eltern in Clubs reisten und von dort einzelne Tagesausflüge unternommen. Als Kind war das Klasse und ich hatte alles was ich mir vorstellen konnte. (So viel essen wie man will, ein Unterhaltungsprogramm etc.) Somit denke ich, dass es für einige Familien mit noch kleineren Kindern sicher erholsamer ist, einen AI-Urlaub zu unternehmen und wenig nachdenken zu müssen, anstatt die Kinder die ganze Zeit zu beaufsichtigen und wenn mal ein längerer Ausflug ansteht sich um die gesamte Planung kümmern zu müssen.

    Liebe Grüße
    Florian

  6. Hallo Maximilian,

    bin soeben über diesen Artikel gestolpert und kann dir absolut zustimmen. Mich hat ein Urlaub noch nie glücklich gemacht. Ich musste auch schmunzeln, weil ich auf meinem Blog einen recht ähnlichen Artikel veröffentlicht habe. Dort thematisiere ich „Urlaub“ eher im Zusammenhang mit „Erholung“ anstatt mit „Glücklichsein“. Ich erhole mich normalerweise viel besser, wenn ich einfach nichts vorhabe und in den Tag hineinlebe und nicht in unbequemen Hotelbetten oder „Freizeitstress“: https://www.zinskraft.de/2016/10/13/urlaub-und-reisen-die-wahre-quelle-der-erholung/

    Ich erlebe das auch oft bei Kollegen auf der Arbeit: Wenn ich die meisten danach frage, ob sie am Wochenende mal die Füße hochlegen und entspannen, erhalte ich meist die Antwort „Nein! Wir sind die nächsten 5 Wochenenden ausgebucht wegen Terminen mit Freunden und Bekannten / Verwandten“.
    Ich hingegen hab selten was fest Geplantes vor und entscheide spontan, ob ich am Wochenende etwas unternehmen will oder nur die Füße hochlegen will.

    Lese hier gerne mit, mach weiter so 🙂

    Gruß
    Martin

    1. Hallo Martin,
      erstmal vielen Dank. Hoffe ich schreibe noch mehr lesenswertes.

      Das mit dem Ausbuchen kenne ich von vielen. Ich kann das zwar auch sehr gut. Aber mittlerweile werde ich lockerer. Eine Woche Schwarzwald steht vor der Tür. Habe zwar einige Notizen was geplant ist. Aber nur ein paar sehr wichtige Dinge, welche besucht werden. Der Rest kommt, wenn mir langweilig ist und ich Bock dazu habe.

      Gruß,
      mafis

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