Generation Y

Generation Y – Wir verändern die Arbeitswelt

Die Generation Y. Meine Generation. Wie gehen wir eigentlich mir Karriere und Geld um. Sind wir wirklich der Stereotyp, welcher uns aufgedrückt wird? Die faulen Freizeitoptimierer oder bringen wir eine nachhaltige Veränderung der Arbeitswelt mit uns.

Die Generation Y

Die Generation Y sind all die Menschen, welche zwischen 1980 und 1995 geboren sind. So wie ich. Wir schließen damit direkt an die Generation X an. Das Y kommt dabei aus dem Englischen. Y klingt im englischen, wie Why im Deutschen Warum? Genau das ist die Kernaussage meiner Generation. Wir hinterfragen vieles und suchen nach Antworten. In der Arbeitswelt kann das den Chef und die Personaler um den Verstand bringen. Den im ersten Blick sieht die Generation Y nach Optimierern aus. Optimierer ihrer Freizeit, welche lieber frei haben als zu Arbeiten. 

Faulheit fällt dabei oft als Wort. Dabei erinnere ich mich an ein Lehrer aus der Realschule. Der uns genau so betitelt hat. Eine Generation von faulen Säcken und Weicheiern. Obwohl ich nicht glaube das er es genau so gemeint hat. Den dieser Lehrer hat mich schon sehr geprägt. Dennoch wirkt genau dieses Bild nach außen. Im dualen Studium fiel das Wort Freizeitoptimieren so einige Mal von Dozenten. Aber sind wir wirklich so? 

Was wollen wir

Wir fordern eine ganz neue Arbeitswelt. Diese Veränderung gleicht ein wenig einer Revolution. In der alten Arbeitswelt haben ein Viertel innerlich gekündigt und machen Dienst nach Vorschrift. Arbeit wird dabei oft durch fixe Arbeitszeiten und Präsenz definiert. Vor Ort und zur richtigen Zeit? Ja dann arbeitet man. Feedback ist rah gesät. Vielleicht im Jahresgesgespräch. 

Die Leistung wird an der Arbeitszeit bemessen und nicht an deren Ergebnis. Ein 35 Stunden Arbeiter leistet demnach weniger als ein 40 Stunden Arbeiter. Demnach ist es logisch wenig Arbeit mit viel Zeit zu verbringen. Langsames Arbeiten wird belohnt. Schnelles Arbeiten wird hingegen bestraft mit noch mehr Arbeit.  Jemand der ständig präsent wirkt, wie die E-Mail um 20 Uhr am Abend, steht besser da, als der sich rah macht. Obwohl Zweiter vielleicht mehr leistet. 

Genau da will meine Generation Y ansetzten. Wir wollen weg von all diesen festen Strukturen. Wir wollen das Leistung sich lohnt. Klingt wie ein Wahlspruch. Man will nicht nach Zeit bezahlt werden, sondern für die erbrachte Leistung. Dafür sind wir gerne bereit mal ein paar Stunden extra zu machen. Aber in anderen Zeiten die Arbeit mal gegen Mittag zu verlassen. Dabei denken wir nicht nur an uns, sondern an alle im Unternehmen. Den diese Kultur kommt allen zu gute. Vom Unternehmen bis zum älteren Arbeitnehmer. 

Ein Vorteil auf unserer Seite

Wir haben aktuell einen großen Trumpf in der Hand. Dem demografischen Wandel. Arbeitskraft wird immer weniger. Unternehmen müssen sich um ihre Arbeitnehmer bemühen sonst suchen sie sich ein besseres Unternehmen. Der Fachkräftemangel zieht jetzt schon seine Kreise und wird in den nächsten Jahren immer größer, wie schon die Ex-Studentin in einem Artikel gezeigt hat. 

Diese Situation ist völlig neu. Unternehmen haben immer die Bedingungen vorgegeben. Diese kamen von oben und nicht von unten. Gewerkschaften haben zwar ein wenig etwas geändert. Aber nie in solch eine Richtung, welche das typische Arbeitsmodell umwirft.

Unsere Erwartungen

Kein Dienstwagen. Kein super Büro mit toller Aussicht und keine tollen Boni. Wir sind nicht käuflich. Die alten Strategien zur Motivation funktionieren bei uns nicht mehr so gut. Diese harten Anreize treiben uns nicht voran. Uns locken die weichen Anreize, wie den Sinn und die Freunde in der Arbeit zu finden. Sinn siegt dabei über den Status. Glück gewinnt über das Geld.

Geld ist dabei nicht unwichtig. Die Entlohnung muss zur Arbeit passen. Nicht mehr und nicht weniger. Gehalt macht dabei nicht unglücklich, aber auch nicht glücklich.

Unsere Erwartungen kosten nicht mal Geld. Wir wollen Herr über unsere Zeit sein. Diese Selbstbestimmung ist unser höchstes Gut in dieser hektischen Zeit.

Außerdem ist es für uns unverständlich in so einer vernetzten Welt immer Präsent zu sein vor Ort. Im Industrie Zeitalter war es logisch zu bestimmten Zeit an bestimmten Orten zu sein. Dort war die Arbeit. Heutzutage findet viel Arbeit unabhängig statt. Unabhängig von Ort und Zeit. Warum also nicht mittags das Büro verlassen um am Abend noch die Arbeit zu beenden. Zwischendurch ein wenig das Wetter genießen und auf neue Gedanken kommen. Mit Laptop und Smartphone kann man mittlerweile fast jeden Ort zum Büro verwandeln.

Arbeit und Freizeit verschmelzen dabei immer weiter. Man liest die Arbeits E-Mail mal zu Hause und antwortet. Dafür will man bei der Arbeit ein wenig Freizeit haben. Alles muss eine Balance haben. 

Für Unternehmen lohnt sich diese Kultur sogar. Diese Autonomie macht Arbeitnehmer produktiver, effizienter und kreativer als jene, welche sich an feste Strukturen halten müssen. Hingegen macht fehlende Autonomie krank. Einige Studien haben dies bewiesen. Hat man kein Einfluss auf seine Arbeit, dann kann Arbeit zur Belastung werden. Wer seinen eigenen Rhythmus folgen darf, sieht die Arbeit dann nicht nur als Arbeit, sondern als Status.

Natürlich gibt es bei so viel Freiheit Probleme. Schwarze Schafe gibt es immer. Aber die meisten Leute nutzten die Zeit und das Vertrauen nicht aus. Sondern wollen dieses Vertrauen stärken und noch verbessern.

Unser Karriereweg ist anders

Unser Verständnis von Karriere ist anders als die von früheren Generationen. Für uns ist Karriere nicht möglichst weit oben in der Karriereleiter zu enden. Genau so wurde Leistung bisher belohnt. Man wurde immer höher gestuft in der Leiter. Bekam erst ein Team, dann eine Abteilung und landete irgendwann in der Geschäftsleitung. Beförderung hieß immer mehr Macht, mehr Verantwortung und mehr Mitarbeiter. Den Erfolg definierte man an der Anzahl der Untergebenen. 

Wir hingegen wollen zwar Verantwortung übernehmen. Aber wir wollen nicht führen. Führen ist ein veraltetes Konstrukt. Wir wollen uns weiter als Experte in ein Team vertiefen und nicht die Zeit in endlosen Meetings verbraten. Das verändert das Thema Karriere im Unternehmen grundsätzlich. Neben der Führungslaufbahn entwickeln sich so Expertenlaufbahnen, welche Gehaltlich und in deren Möglichkeiten auf einer Ebene sind.

Zum Thema Faulheit. Studien widerlegen diese These klar. Die Generation Y ist ehrgeizig und leistungsbereit. Jedoch nicht im üblichen Sinne, wie man Leistung misst. Leistung wird nicht nach unsere Stelle im Beruf bemessen. Sondern auf alle Lebensbereiche übertragen. Sich um das eigene Kind kümmern oder um die Eltern. All das sind Leistungen unsere Generation. 

An unseren Eltern haben wir teilweise das abschreckende Beispiel gesehen. 40 Jahre in einem Job, welchen sie vielleicht gar nicht gemocht haben. Passend zur Rente kommen dann gesundheitliche Probleme. Der Vater war ständig weg um genug Geld zu verdienen. Diese Geschichte wollen wir nicht wiederholen. 

Unternehmen brauchen diese Veränderung

Junge Väter nutzten immer mehr die neuen Möglichkeiten. Sie bleiben nach der Geburt zur Hause und nutzten die Elternzeit. Die Gehaltseinbuße werden dabei in Kauf genommen. Man will nicht nur am Wochenende für die Kinder da sein, sondern die ganze Woche.

Wir wollen dabei gerne alles zur gleichen Zeit. Freizeit, Beziehung und Arbeit im Einklang. Flexible Arbeitszeiten, Sabbatical, Home Office und Elternzeit. Wir fordern den Unternehmen so einiges ab. 

Dafür bieten wir den Unternehmen ebenso einiges an. Noch nie gab es so eine gut ausgebildete und internationale Generation. Englisch ist für uns keine Zweitsprache mehr, sondern wird zur zweiten Muttersprache. Das Abitur und Studium ist oft selbstverständlich. Die Basis ist sehr gut, worauf man aufbauen kann.

Für uns ist es dabei normal mit Krisen umzugehen. 11. September, Finanzen, Kriege, Klima, Euro und Bildung. Krisen hat meine Generation schon öfters erlebt. Unsicherheit ist für uns ein Normalzustand. Beziehungen werden zu Abschnittsgefährten. Jobs werden zu großen Projekten. Wohnorte werden zur Wahlheimat auf Zeit. Wir passen uns ständig an. Neuem gegenüber sind wir aufgeschlossen.

Außerdem sind wir die erste Generation, welche mit dem Internet aufgewachsen sind. Youtube, Twitter, Facebook, Google sind für uns Alltag. Nichts besonderes. Um dort aufzufallen muss man etwas besonders sein. Man muss kreativ sein und Ideen entwickeln. Dies übertragen wir direkt in die Arbeitswelt, wovon die Unternehmen profitieren. Durch Ideen, worauf man in normalen Prozessen gar nicht gekommen wäre. Bestes Beispiel sind die vielen Startups im letzten Jahrzehnt.

Dabei schwanken wir ständig zwischen Engagement und Selbstoptimiereung. Man wechselt zwischen Spielen und Ernst ständig hin und her. Dies ist für die Zukunft bitter nötig. Den so einige Wandel stehen an. Klimawandel, Energiewandel und der demographische Wandel. Die Gesellschaft verändert sich zunehmend. Jede Branche wird in den nächsten Jahrzehnten einen großen Umbruch erleben und dafür brauchte es besondere Leute. Unternehmen brauchen Leute, welche das alte Weltbild in Frage stellen. 

Nicht alle sind so

Natürlich sind nicht alle der Generation Y. Manche der Generation Y sind älter und manche jünger. Manche Leben das Leben einer anderen Generation. Aber die 68er Generation war schließlich ebenso nicht gleich. Aber ein kleiner Teil hat gereicht um eine Veränderung im Alltag zu erreichen. Warum nicht auch bei der Generation Y? 

Unsere Verantwortung  ist es neue Standards in der Arbeitswelt zu setzten, wovon künftige Generationen profitieren können. 

Der Wandel hat bereits begonnen

Dabei hat dieser Wandel schon begonnen. Nicht mit Demonstration auf offener Straße, wie es früher der Fall war. Sondern leise und still von innen heraus. Wir sehen uns nicht darin anderen etwas aufzuzwingen, sondern ihnen eine schöne neue Welt zu zeigen. Eine Welt, wo die Selbstbestimmung und die Freiheit das höchste Gut sind. Ich hoffe diese stille Revolution wird in den nächsten Jahren größter werden. Den davon kann nicht nur die Arbeitswelt, sondern die ganze Welt profitieren.

Jetzt bin ich auf eure Meinung gespannt. Was denkt ihr über die Generation Y? 

mafis

Arbeitet jeden Tag daran ein bisschen Besser als am Tag davor zu sein. Interessiert sich für Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauersport, Finanzen und Reisen.

7 Gedanken zu „Generation Y – Wir verändern die Arbeitswelt

  1. Gutes Thema! Ich denke auch, dass die Generation Y einige Veränderungen im Arbeits- und Privatleben anstößt. Was mir bei meiner Generation auffällt: Man erwartet von uns, den maximal möglichen Bildungsstand zu erreichen. Mit „nur“ einer Ausbildung findet man kaum einen guten Job. Abi nachholen, Techniker, Meister oder Studium sind danach Pflicht. Wer studiert, liebäugelt ggf. noch mit einer Promotion. Wir sind jung und bekommen trotz unserer geringeren Berufserfahrung eine Menge Verantwortung übertragen. Wir sind belastbar und wenn wir wollen, geben wir alles. Viele geben dem Beruf einen hohen Stellenwert, weil es zur Selbstverwirklichung gehört. Wir wollen unseren Kindern mal was bieten, weswegen sich viele dazu entschließen, erst mit 30 über die Familiengründung nachzudenken. Das traditionelle Familienbild hat langsam ausgedient. Man ist ggf. 10 Jahre in einer Beziehung, bevor man heiratet. Das hat nichts mit unserer Generation, sondern eher mit dem Gesellschaftswandel zu tun. Wir werden von unseren Eltern weniger bevormundet und treffen unsere eigenen Entscheidungen. Wir stellen hohe Ansprüche an uns selbst.

    Ich bin mal gespannt, wie sich unsere Generation entwickelt und wie wir unsere Kinder erziehen. Wir haben durch unsere Großeltern den Krieg und durch unsere Eltern die Teilung Deutschlands mitbekommen und sind mit einer gewissen Demut aufgewachsen. Meine Großeltern waren jeweils Flüchtlinge, die alles verloren haben und sich alles neu aufbauen mussten. Für die kommenden Generationen wird das etwas entfernter sein.

    1. Die Auseinandersetzung mit unserer Generation lag mir schon länger auf der Zunge.

      Aber du hast Recht. Man erwartet heutzutage eine Menge von uns. Nur aus diesem Grund geben Unternehmen diese Freiheiten. Man gehört zu einer Privilegierten Gruppe. Gehört man nicht dazu hat man ein Problem und die Arbeitswelt zeigt ihr schlechtes Bild.

      Dem Rest des Absatzes kann ich einfach nur zustimmen. Und ja unsere Entwicklung wird spannend. Ich glaube zwar aktuell nicht an einen Krieg wie früher. Aber dennoch sind viele Situationen sehr angepasst. Ich hoffe dort kommt wieder etwas Lockerheit rein mit der Zeit. Ich hoffe das sich die alten Zeiten wirklich immer weiter entfernen. Unsere Generation und die Nachfolgenden wird ganz andere Probleme bekommen.

  2. Ich finde das Thema auch sehr spannend. Und das obwohl ich zur Generation X gehöre – zumindest dem Geburtsdatum nach. Vieles was die Ex-Studentin im ersten Absatz ihres Kommentars schreibt, würde ich allerdings komplett auf mein Leben übertragen sehen. Und das obwohl ich um die Jahrtausendwende ins Berufsleben gestartet bin. Mir scheinen die Entwicklungen im Berufsleben auch eher am Gesellschaftswandel als an einer speziellen Gruppe der besonders jungen Arbeitnehmer festgemacht werden zu können.

    Als ich in den Beruf gestartet bin, habe ich mich auch mit Themen wie Life-Work-Balance (ein Unwort, ich weiß) auseinandergesetzt. Ich habe stets nur eine Expertenlaufbahn und nie eine Karrierelaufbahn angestrebt. Sinn und Erfüllung waren mir immer schon wichtiger. Umzüge und Arbeitgeberwechsel waren normal. Irgendwie sind das alles für mich keine Themen, die erst in den letzten Jahren auf den Plan gerufen worden wären.

    Auch die Vorwürfe an die Jugend gibt es ebenfalls nicht erst heute:

    „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

    Das hat Sokrates vor rund 2500 Jahren schon festgestellt. Und glaubt mir, ihr werdet ähnliches über die zukünftige Jugend denken ;-).

    Ein Punkt ist tatsächlich speziell für die Gen Y: Internet war irgendwie schon immer da. So wie für mich Telefon und Fernsehen schon immer da war. Und Computer mich seit der Schulzeit begleiten.
    Diese digitale Vernetzung schafft tatsächlich ganz neue Möglichkeiten. Die beschriebene Flexibilisierung finde ich mitunter aber auch gefährlich – ich habe Kollegen kennengelernt, die quasi immer „im Dienst“ waren. Man mag sich zwar vornehmen, in beide Richtungen flexibel zu sein – während der Arbeitszeit auch mal privat was zu tun und während der Freizeit mal beruflich aktiv zu werden – ich fürchte, es läuft aber unterm Strich eher auf „Mehr arbeiten“ hinaus. Ich kenne es von einer guten Freundin, die in einem Online-SW-Unternehmen arbeitet und bei dem es keine Kernzeiten oder Zeitkonten gibt – diese Freiheit führt eher dazu, dass die Programmierer länger arbeiten. Ich fürchte, sonst würden die Unternehmen das auch nicht anbieten. Ich mochte diese Vermischung von Freizeit und Arbeit nicht. Mir war es wichtig, mir mal sagen zu können, dass jetzt Feierabend ist. Ich konnte damit besser entspannen. (Zugegeben – in meinem neuen Job lässt sich das ja leider nicht mehr ganz verhindern. Insbesondere wenn mal teilweise zu Hause arbeitet.)

    Die Veränderungen im Berufsleben finde ich aber sehr spannend – ich finde, man muss dabei aber immer die Bedürfnisse des Individuums im Auge behalten. Nicht alles was heute möglich ist, empfinde ich deswegen auch als Fortschritt.

    1. Das ist wohl wahr. Der Übergang geht fließen. Obwohl ich denke die heutige Generation hat dort eine deutlich bessere Position mit ihren Möglichkeiten. Früher musste man schon sehr spezielle Berufe haben um sich diese Freiheit nehmen zu können. Grade in der Expertenlaufbahn war man gefragt und somit wurden einem Wünsche erfüllt. Du warst halt immer schon ein Schritt voraus.

      Das mit der Jugend ist wirklich schon Uralt, obwohl ich glaube es wird mittlerweile entspannter. Mit meinem Opa z.b. brauche ich über vieles gar nicht erst Reden. Meine Eltern hingegen sind vielen sehr aufgeschlossen. Ich denke man versteht sich immer mehr. Vielleicht werden wir aber einfach nur älter.

      Das mit der digitalen Vernetzung stimmt. Die Trennung zwischen Berufs und Arbeitsleben ist gar nicht mehr so einfach. Man wird leicht in Mehrarbeit gezogen. Kenne ich selbst von früher gut. Obwohl ich dort mehr das Problem sehen, wenn Leute einfach nichts sagen. Das war bei mir oft der Fall in Unternehmen. Niemand hat sich beschwert. Habe ich mich beschwert wurde das auch aufgenommen und zumindest teilweise verändert. Diese Deutsche Kultur des Schweigens muss einfach mal gebrochen werden. Natürlich in einem konstruktiven Sinne.

      Persönlich finde ich es gar nicht so schlimm, wie viel ich arbeite. Wenn ich meine Erfüllung darin sehe, wie es die Ex-Studentin beschreibt. Aber dann würde ich halt gerne nach der Leistung bezahlt werden und nicht nach den Stunden. Ich kenne viele Freelancer, wo das gut klappt. Und die arbeiten nicht 40 oder 60 Stunden plus. Nur wenn ihn das Geld zu wichtig ist. Manche kommen mit 20 Stunden sehr gut aus. Leben damit ein einfacher, aber zufriedenes Leben.

      Das mit den Bedürfnissen sich ich aber als Vorteil in einer freieren Arbeitswelt. Man sollte z.B. Kollegen selbst ausmachen lassen, wer wann da ist. Das klappt erschrecken gut, wenn man sie mal lässt. Viele Unternehmen glaube immer noch keiner wäre dann da, wenn z.B. Home Office erlaubt. Unternehmen sollten dort mal viel mehr experimentieren.

      Natürlich ist dabei nicht alles Fortschritt. Aber wer ist schon auf den Weg in die Zukunft immer auf dem richtigen Weg gelaufen?

      1. Der ausbleibende Protest ist tatsächlich ein Problem – viele orientieren sich halt am Verhalten der Meute und wenn das Gros jeden Schei$%& mitmacht, etablieren sich halt gewisse „Normen“ im Unternehmen. Solche Normen heißen dann halt: Wenn Du Projektleiter bist, kriegst Du von uns ein schickes Firmensmartphone/Blackberry/Organizerdingsbums. Dann musst Du aber auch auch von uns und/oder dem Großkunden quasi immer erreichbar sein. So lief das zumindest bei uns in der Automobilzulieferbranche so. Ein „Bandsteher“ in der Produktion musste sofort mit höchster Prio bearbeitet werden. Da gab es kein „Nein“. Kein Wunder, dass ich kein Projektleiter unter diesen Voraussetzungen sein wollte, oder? Diese Art von ständiger Erreichbarkeit wollte ich nicht haben.

        Ich denke es ist mitunter auch eine Frage der Lebenssituation, ob dem einzelnen 35, 40 oder 60 Stunden als Arbeitszeit „gefallen“. Du bist noch relativ jung und ungebunden, da kann man bestimmt mal mit einer 60 Stunden-Woche (bei passender Entlohnung) leben. Familienväter/-mütter mit Kindergarten-, KiTa-Offnungszeiten sehen das anders. Für die zählt auch eine planbare Regelmäßigkeit im Leben. Wenn es dann keine Zeitvorgaben gibt und man „nur solange arbeiten braucht, dass das Projekt zur Deadline fertig ist“, kriegt mitunter Probleme. Man hat zwar mehr Freiheiten, aber ggf. auch ein Zeitproblem. Üblicherweise haut man ja dann am Anfang besonders rein, um sich einen Puffer für Unerwartetes zu schaffen und darf den dann (Murphy lässt grüßen) auch komplett aufbrauchen um dann mit ein paar Extra-Wochenendschichten und der gnädigen Zustimmung des Kunden eine Woche nach Deadline zu liefern.
        Klar, es gibt auch diejenigen, die sich im 9-to-5-Job einen gemütlichen Tag machen und die Zeit abbummeln. Gibt es alles – sollte aber eigentlich nicht unbemerkt bleiben und entsprechend „gewürdigt“ werden.
        Die Frage, wie Du „nach Leistung“ bezahlt werden möchtest, ist auch nicht einfach zu beantworten. Ich habe manchmal wochenlang einen Fehler im Produkt gesucht. Einen Fehler, der beim Kunden immer wieder sporadisch aufgetreten ist. Findet man den nach Wochen über spezielle Hardware/Software-Konstellationen ist man bezogen auf die eigentlichen Arbeit eines Programmierers in der Kategorie „Codezeilen/Stunde“ nicht gerade der Held der Arbeit gewesen. Die meiste Arbeit ist ja in den Aufbau eines Testsystems geflossen, das zumeist danach wegen seiner Spezialisierung auf einen Unter-Unter-Fall gleich wieder eingemottet werden kann. Trotzdem hat man ein schwieriges Problem gelöst. Wie vergleichst Du diese „Leistung“ mit jemandem, der 100 Zeilen fehlerfreien Code (ha,ha!!) am Tag geschrieben hat?

        Dass man mitunter aber auch einfach mal gerne arbeitet und die Zeit nicht immer der entscheidende Faktor ist, kannst Du Dir bei meiner konkreten Tätigkeit ja sicher auch gut vorstellen. Homeoffice ist da fester Bestandteil und ohne echte Zeitkontrolle mitunter ein Fass ohne Boden. Dass Homeoffice (je nach Tätigkeit) gut funktionieren kann, sehe ich zudem an meiner Frau – sie macht das zu rund 75%. Das einzige, was sie mitunter vermisst, sind die vielen informellen Kleinigkeiten von denen sie dadurch kaum was mitbekommt. Das ist halt der Vorteil, wenn man Mittags gemeinsam mit den Kollegen über andere Dinge plaudern kann.

        Bei den von mir angesprochenen Bedürfnissen meinte ich übrigens eher Bedürfnisse außerhalb der Arbeitswelt, die mit der digitalen Vernetzung nicht immer in Einklang zu bringen sind. Mehr Eigenverantwortung an das Kollegium zu delegieren, finde ich hingegen sehr sinnvoll. Mein Teamleiter hat uns immer einfach machen lassen mit der Vorgabe, dass wir uns rechtzeitig melden sollten, wenn wir ein Problem feststellen, das zu zeitlichem Verzug führen würde. Ansonsten hatten wir völlig freie Hand, wann wir was machen wollten und wer wem gerade unter die Arme greift. Das hat super geklappt, da jeder mal seine Zeit für die Unterstützung des Kollegen geopfert hat. Sowas geht aber natürlich nur, wenn alle mit der gleichen Einstellung arbeiten.

        Lieben Gruß
        Dummerchen

        1. Das stimmt. Bei uns heißt der Spaß Außertariflich. Dann fallen gefühlt alle Banden weg und man ist Freiwild. Jede Aufgabe und Idee wird an diese Personen ran getragen. Traut sich diese Person nicht mal „Nein“ zu sagen endet das ist einem Stundenlohn, wo man schlechter dasteht als Vorher und ein ganz anders Stresslevel hat.

          Das mit der Lebenssituation ist grade wirklich passend. Mir ist es wirklich egal, wann ich arbeite und auch wie viel, wenn der Lohn stimmt. Aktuell geht es bei der Arbeit um Urlaub, wo natürlich die Familien wieder stark an die Ferien gebunden sind. Mir ist das ziemlich egal, wann ich den Urlaub nehme. Einfach da die Freiheiten in meinen Leben noch sehr stark sind. Von daher hast du recht. Alles ist Lebenssituationsabhängig. Die Frage ist dann eher, wie gut ein Unternehmen sich der jeweiligen Situation anpassen kann. In einem Artikel habe ich jetzt gelesen, wie in Zukunft eigene Kindergärten beim Unternehmen ein entscheidender Faktor bei der Jobwahl werden kann. Unternehmen müssen dort schon sehr flexibel sein.

          Das mit der Leistung hatte ich schon bei einem Faktor Kommentar. Nach etwas nachdenken komme ich mittlerweile auf einen ähnlichen Zweig. Leistung zu bewerten in der Dienstleistungsgesellschaft ist extrem schwer. Man kann natürlich vergleiche anstellen, aber diese sind nur sehr wage. Nach meinem Empfinden hängt Leistung dabei sehr an den Erwartungen des Gegenüber. Wie du mit deinem Problem schreibst, wenn in diesem Moment der Chef gedacht hätte das dauert ein Monat den Fehler zu finden. Dann wäre deine Leistung ja überragend. Erwartet er hingegen 1 Stunde, dann hat man ein Problem. Und das Thema zu vermitteln ist ebenso nicht wirklich leicht. Man muss dort wohl Glück haben und seinen passenden Kunden finden.

          Ja kann ich mir vorstellen 😉 Grade Home Office benötigt eine sehr gute Eigenverwaltung. Man muss zum einem sich Selbstmotivierten, aber dabei nicht übertreiben. Diese Gratwanderung ist nicht wirklich leicht. Mit der richtigen Aufgabe und Home Office würde ich wahrscheinlich von Montag bis Sonntag durcharbeiten bis die Aufgabe gelöst ist. Da müsse ich schon selbst sehr viele Tricks nutzten aus meinen Erfahrungen.

          Das mit dem Flurfunk ist wirklich so eine Sache, obwohl ich denke mit entsprechenden technischen Lösungen kann man eine Art virtuellen Flurfunk betreiben. Natürlich fallen dabei weiterhin eigene Informationen weg, jedoch würde man nicht ganz rausfallen.

          Zum Thema Eigenverantwortung. Autonomie ist denke in allen kreativen Bereichen sehr hilfreich. Durch feste Regeln kann man einfach keine gute Ideen entwickeln. Aber man muss halt dann wirklich in der richtigen Gruppe sein. Ansonsten endet das in einem Chaos oder wieder in Arbeit ohne Ende.

          Gruß,
          mafis

  3. Tolle Beschreibung der heutigen Situation. Ich persönlich mag den Begriff Generation Y oder X nicht, da ich nicht gerne in Schubladen denke. Unsere heutige Generation bringt viele Vorteile mit ins Arbeitsleben. Trotzdem gefällt mir nicht, wie viele von uns durchs Studium getrieben werden und bereits in der Schule Hochleistungen bringen müssen. Ich kenne viele, die darunter leiden und auch welche, die kurz vor einem Burn-Out standen. Gerade heute ist es unheimlich wichtig, eine gesunde emotionale Stärke zu besitzen und auch Gremzen setzten zu können – Eigenverantwortlichkeit heißt das große Stichwort.

    Lg Jannik von Gemeinsam zum Erfolg – Der Blog für junge Leute!

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