Notgroschen

Notgroschen – Sicherheitsnetz oder letzte Rettung?

Der sagenumwobene Notgroschen. Jeder sollte einen haben, wenn er an seine Finanzen denkt. Ganz gleich, welche Höhe der Notgroschen hat. Jedoch habe ich mir bei all den Lesen von anderen Bloggern so meine Gedanken gemacht und gefragt, wofür soll der Notgroschen da sein. Wirklich für den Notfall oder auch für anderes? Was ist dabei eigentlich ein Notfall?

Planbare Ausgaben sollten nicht vom Notgroschen kommen

Persönlich fällt es mir immer deutlich leichter zu erklären, was etwas nicht für mich nicht ist. Von daher erstmal, was meiner Meinung nach nicht zum Notgroschen gehört. 

Grundsätzlich sollte natürlich keinerlei Ausgaben des normalen Alltags aus dem Notgroschen entnommen werden. Bsp. ein Besuch in einem Freizeitpark, ein leckeres Essen oder ein Konsumgut sollten niemals aus dem Notgroschen gekauft werden. Solche Kosten sollten entweder direkt aus den laufenden Geldern bezahlt werden oder angespart werden. Niemals sollte man für den Konsum den Notgroschen belasten.

Planbare Kosten sollten ebenso nicht aus dem Notgroschen entnommen werden. Auf die Einsicht kam ich erst so richtig, wie ich den Beitrag vom Pfenningmillionär gelesen hatten. GEZ, TÜV, Wartung des Autos, Websitehosting,… sind für mich so typische Kosten. Diese zahlt man oft nicht monatlich, sondern quartalsweise oder jährlich. Kommen viele auf einmal ist es sehr verlockend aus den Notgroschen Topf zu nehmen. Aber das sollte man nicht tun.

Denn die Kosten sind vorhersehbar und so sollte man sie auch behandeln. Dabei finde ich den Ansatz vom Pfenningmillionär ziemlich gut, wo einfach der Betrag fürs Jahr auf die Monate gesplittet wird. Die 49€ Amazon Prime werden so auf ca. 4€ im Monat aufgeteilt. Eben so alle anderen Kosten, wie TÜV und GEZ. Ich habe dafür jetzt bei MoneyYou ein extra Konto erstellt, wo jeden Monat 50€ hinwandern und im entsprechenden Monat zurück gebucht werden. So kriege ich ein bisschen mehr gleichmäßigkeit in meine Ausgaben, welche grade im Januar durch Jahresbeiträge sehr strapaziert werden.

Das Netz, woran man nicht gedacht hat

Viel bleibt dann im ersten Moment nicht über. Aber ich denke genau so sollte es auch sein. Denn es soll schließlich in der Not ein Sicherheitsnetz bieten. Wenn man einen Plan hat und das Risiko bewerten kann braucht man eindeutig kein Sicherheitsnetz. Dennoch will ich ein paar Beispiele nennen, wofür man am Notgroschen etwas antasten kann.

Ein plötzlicher Berufswechsel wäre für mich so ein Fall. Dort werden z.B. für Mietkaution öfters mal schnell flüssige Mittel benötigt und die schafft man dann einfach nicht in so kurzer Zeit aufzubauen. Ist mir selbst vor einem halben Jahr passiert. Bei mir ging innerhalb von drei Monaten eine Menge Geld über die Bühne.

Ansonsten wohl halt einfach alles, woran man grade nicht gedacht hat. Vielleicht will das Finanzamt nach der Steuerklärung plötzlich Geld oder eine Rechnung fliegt ins Haus, womit man überhaupt nicht gerechnet hat. Genau dafür ist für mich der Notgroschen da und genau solche Situationen sollte er auch kurzzeitig abfangen können. 

Natürlich auch die Kündigung vom Arbeitgeber. Aber hier muss man zugeben in Deutschland ist man mit ALG II noch in einer wirklich angenehmen Situation.  

Wenn Panik am Mann/Frau ist

Für mich ist der Notgroschen persönlich eher das zweite Fangnetz als das Erste. Es soll mich nicht vor bestimmten Fehlern bewahren, welche ich vorher schon im Kopf hatte. Der Notgroschen soll immer dann da sein, wenn das erste Netz reißt und ich nicht mehr weiß, was da grade passiert. Genau dann, wenn man sich Gedanklich eh um anderes kümmern muss, als um das Liebe Geld.

Wie seht ihr das mit dem Notgroschen? Ist es wirklich die letzte Instanz zum eigenen Existenzschutz oder darf auch mal bei kleineren Problemen davon genommen werden?

mafis

Arbeitet jeden Tag daran ein bisschen Besser als am Tag davor zu sein. Interessiert sich für Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauersport, Finanzen und Reisen.

9 thoughts to “Notgroschen – Sicherheitsnetz oder letzte Rettung?”

  1. Moin Mafis,

    Der gute alte Notgroschen. Wir alle glauben, dass wir einen brauchen, aber jeder versteht darunter etwas anderes.

    Ich gehöre nicht zu der 6 Gehälter-Fraktion. Bei mir ist der Notgroschen maximal ein Monatsgehalt. Letztendlich ist er nur für die „kleinen“ Notfälle da. Darunter fällt eine unerwartete Autoreparatur oder Handwerkerrechnung. Alltägliche und planbare Dinge wie Urlaube plane ich finanziell länger ein und spare die Summe zusätzlich an.

    Warum nur ein Monatsgehalt und nicht mehr? Weil mein „Notgroschen“ nicht für die wirklich großen Notfälle da ist. Wenn ich beispielweise meinen Job verliere oder richtig krank werde oder das Auto verschrotte, dann sind das schon krasse und (hoffentlich) einmalige Schicksalsschläge. Das passiert selten, wenn überhaupt. In solchen Extrem-Situationen würde ich einen Teil meines Portfolios versilbern, um kurzfristig Cash zu generieren. Wenn ich über einen längeren Zeitraum Geld brauche (z.B. Jobverlust), dann würde ich meinen Tilgungssatz bei den Mietwohnungen runterfahren (und beim Haus). Wenn nötig muss ich eine Wohnung verkaufen, sollte es eine wirklich extreme und längerfristige Notsituation sein. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist aber sehr gering.

    Was wenn der der Aktienmarkt genau dann im Keller sein und ich verkaufen muss? So what? Dann lautet meine Devise irgendwie mit der Situation umzugehen und durchzukommen – die Rentabilität meiner Geldanlagen ist dann zweitrangig. Man kann nicht für alles vorsorgen. Es gibt diverse Sicherheitsnetze (inklusive meiner Aktien- und Immobilienanlagen), dass ich da entspannt an die Sache rangehe.

    Vielleicht ändert sich diese Sicht der Dinge später, wenn ich älter bin, noch. Mal sehen. Mein jetziger Notgroschen reflektiert meine jetzige Lebenssituation.

    Viele Grüße und gib weiter Gas mit Deinem tollen Blog!

    VG, Nico

    1. Hey Finanzglueck,
      interessant so eine ganz andere Art an den Notgroschen zu denken. Persönlich halte ich es zwar auch mit den 6 Gehältern übertrieben, aber nur ein Monatsgehalt ist schon ein anderes extrem. Aber die ganze Ausführung an sich macht schon Sinn, wenn du es so schreibst. Für Extremsituationen müsste man eh ein enormen Puffer haben, welchen man gar nicht aufbauen kann. Dafür sollte man sich dann wohl eher versichern, wenn man darauf vorbereitet sein will.

      Natürlich praktisch, wenn man die Möglichkeiten mit der Mietwohnung so hat. Viele von uns fehlen wohl auch dabei noch solche Vermögensgegenstände. Aber wie du schreibst die Chancen sind für das komplette Diaster nicht all zu hoch. Sondern meist schon sehr kalkulierbar. Gekündigt wird man z.B. meist ja auch nicht von heute auf morgen.

      Aber das mit den Aktien sehe ich ähnlich, wenn alles nicht klappt muss man halt an die Reserven. Aber bis es dazu kommt muss wohl so einiges schief gehen. Dann hat man glaube andere Bedenken als die finanzielle Freiheit.

      Von daher so Risikoreich, wie ich am Anfang gedacht habe ist der Ansatz von dir gar nicht.

      Und vielen dank fürs Lob. Ich gebe mein Bestes. Manchmal macht mir die Grammatik noch ein Strich durch die Rechnung.

      Gruß,
      mafis

  2. Dank junger Jahre kann ich leider (noch) nicht auf zahlreiche fixe Absicherungen wie Wohnungen zurückblicken :).
    Nichtsdestotrotz halte ich nicht viel von einem übertriebenen Notgroschen.

    Auf meinem Tagesgeldkonto befinden sich zwei Positionen:
    – Bargeld, um alle planbaren Kosten innerhalb der nächsten 12 Monate zu decken
    – „sonstiges“ Bargeld, welches man als Notgroschen bezeichnen könnte. Dieses beträgt derzeit ca. ein Monatsgehalt.

    Alles, was sich darüber hinaus ansammelt, landet mittelfristig im Depot.

    Vielleicht ist das naiv, vielleicht nicht. Letztendlich habe ich noch nicht erkannt, welche ungeplanten Kosten auf mich einschlagen könnten.
    Die bekanntesten Risiken sind durch Haftpflicht, Vollkasko, RSV und Garantien (z. B. aufs Fahrzeug) gedeckelt. Eine spontane Entlassung ist mehr als unwahrscheinlich und – wie bereits im Text genannt – durch das ALG II gedeckt.

    Aber ich bin belehrbar: Welche Risiken sehe ich nicht? Mit meinen unerfahrenen 26 Jahren gibt es sicherlich (und hoffentlich) einiges, was ich übersehe :).

    Viele Grüße aus Stuttgart … wo die Welt gerade untergeht.

    1. Hey Alex,
      also 12 Monate seine Kosten zu decken finde ich schon ein ziemlich ordentlicher Puffer. Glaube viele haben eher so ein 6 Monatspuffer +- oder halt auch noch deutlich weniger. Und wenn die anderen Gefahren über Versicherungen abgedeckt sind kann doch wirklich nicht mehr viel passieren.

      Ich denke du bist da sehr gut aufgestellt und sehr wenig naiv. Glaube du hast fast jedes Risiko abgedeckt und das mit 26 Jahren ist doch sehr ordentlich. Den Rest kann man eh nicht einplanen und die Chancen wohl auch einfach zu gering.

      Gruß,
      mafis

      P.S.: Ich hoffe Stuttgart steht noch 😉

  3. Der Notgroschen muss immer kontextabhängig betrachtet werden. Von dem 6-Gehälter-Gedanken halte ich nichts. Und finde das doch reichlich kurz gedacht. Man muss das immer in Relation zu seinen eigenen Gütern sehen.

    Arbeitslosigkeit/Berufswechsel sehe ich zum Beispiel nicht als einen Notfall an.

    1. Das stimmt wohl. Man kann das Thema, wie alles andere auch, nicht für alle gleich setzten. Hat man, wie Finanzglück, ein gewisses Vermögen in der Hinterhand kann man ganz anders an das Thema rangehen. Im Gegenteil zum Berufseinsteiger, welcher eher mal in Bedrängnis kommen kann, aber auch dort ist jeder anders.

      Eigentlich kann man nur sagen jeder muss seine passende Strategie finden.

  4. Habe noch gar nicht daran gedacht, dass vielleicht jeder was anderes unter einem Notgroschen versteht.. Für mich bedeutet Notgroschen: Das ist meine Grenze, die ich nur mit viel Bedacht antasten würde. Ansonsten ist der Übergang zwischen Notgroschen und finanzieller Puffer bei mir ziemlich fließend.

  5. Ich gehöre zur 3-6 Monatsgehälter Fraktion. Allerdings sehe ich es natürlich auch so, dass sich da jeder seine eigenen Gedanken drum machen muss und auch die eigene Risikobereitschaft selbst festzulegen hat.

    Aber gehen wir mal eben von einem Menschen aus, wie wir sie sicher alle zur Genüge kennen. Jemand der gerade anfängt sich um die persönlichen Finanzen Gedanken zu machen und euch nach eurem Rat fragt. Jemand der keine besonderen Rücklagen oder Sachwerte hat, die er in einem Notfall mal eben veräußern könnte. Würden wir dieser Person sagen, dass ein Monatsgehalt vollkommen ausreichend ist? Ich hoffe nicht.

    Der Notgroschen hat wie ich finde zwei Funktionen. Die eine ist es uns ein Gefühl von Sicherheit zu geben um etwas rauere Zeiten, sei es nun im Beruf oder an der Börse, etwas entspannter meistern zu können. Stellen wir uns mal vor, jemand hat gerade ein Depot das gerade von 15.000,- auf 10.000,- gefallen ist. Und dieser Jemand muss sich aufgrund der Weltwirtschaft auch noch Gedanken um seinen Job machen und hat nun das Wissen, dass außer dem einen Monatsgehalt das er Notgroschen nennt nur noch sein Depot besteht. Wie groß ist die Gefahr, dass er aus Sorge in einer Kurzschlussreaktion alles verkauft?

    Die Zweite ist dann letztendlich das Abfedern finanzieller Notlagen und hier hoffe ich, dass sich niemand Arbeitslosigkeit und auch Dauerarbeitslosigkeit für etwas hält, das nur die anderen trifft. Das erste Jahr bekommt man noch ALG I und man bekommt ca. 60% seines vorherigen Nettoeinkommens. Jeder der im Moment eine 40% Sparquote vorweisen kann kommt das erste Jahr also im Idealfall durch, ohne die eigenen Ersparnisse anzutasten. Ab Jahr 2 gibt es dann ALG II oder auch Hartz IV und hier wird es dann richtig spannend. Denn wer mehr als sein Schonvermögen hat (150 Euro je abgeschlossenem Lebensjahr), bekommt erst mal gar nichts und muss die von der Bundesagentur ermittelte Zeit mit dem eigenen Vermögen auskommen. Das heißt man lebt wie ein Hartzer aber vom eigenen Vermögen. Viel Spaß wenn die Kohle zu früh aus geht. Übrigens wird das Auto oder Aktien usw. mit eingerechnet. Am besten also sofort verkaufen damit der Wert mit der Zeit nicht sinkt und man am Ende mit weniger da steht als vom Amt vorgesehen. Ich persönlich würde jede Drecksarbeit annehmen um nicht in Hartz IV zu rutschen. Manche unter uns haben aber allein schon aus gesundheitlichen Gründen gar nicht erst diese Möglichkeit.

    Wer finanziell etwas fester im Sattel sitzt kann den Notgroschen gerne für sich persönlich definieren wie er will. Wenn ich jemandem aber einen Tipp geben soll der sich damit noch gar nicht richtig auseinandergesetzt hat, dann wird meine Antwort immer 3-6 Netto-Monatsgehälter lauten. Für alles was darüber hinaus geht muss so gut es geht eine Versicherung her.

    1. Hey Pfenningmillionär,
      du hast vollkommen Recht. Der Notgroschen ist wirklich sehr, sehr unterschiedlich von Person zu Person. Einfach mal die Umstände für jeden Unterschiedlich sein können.

      Stimmt Sicherheit ist ein guter Faktor. Muss sagen mit wachsenden Reserven bin ich auch freier. Ich mache mir aktuell ums Thema Geld deutlich weniger Gedanken. Kommt mal etwas unvorhergesehenes ist der Notgroschen parat. So hat man den Kopf für bessere Dinge frei.

      Und das Thema Arbeitslosigkeit kann wirklich jeden Treffen. Ein Unternehmen muss sich ja nur einmal verzocken und schon Pleite gehen. Geht schneller als man denkt. Das Thema über jeden Job annehmen hatten wir ja am Samstag. Persönlich würde ich in solchen Extremsituation auch alles machen.

      Der vorletzte Satz ist wohl die passendste Zusammenfassung für diese Grundregel „6 Monatsgehälter“. Ist man sich seiner Situation nicht bewusst ist man mit 6 Monatsgehältern auf der sicheren Seite.

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