Gehaltsvergleich

Gehaltsvergleich – Geht das überhaupt?

100.000€. Ist das viel? Oder ist das eher ein Durchschnittsgehalt? Ein Gehaltsvergleich ohne mehr Informationen ist ein schwieriges Thema.

In China würde man mit so einem Gehalt in die Oberschicht gehören. In Saudi Arabien würde man im Durchschnitt wohl zur untersten Arbeiterklasse gehören.

Kann man ein Gehalt überhaupt rein subjektiv bewerten oder ist es immer eine sehr individuelle Geschichte? Ich denke beides.

Das Durchschnittseinkommen

Der erste Anlauf beim Thema Gehalt ist das Durchschnittsgehalt des Landes. Am Durchschnittsgehalt orientieren sich andere Preise, welche man im Alltag zahlen muss.

In Indien kostet ein Essen um die 60 – 100 Rupien. Umgerechnet zwischen 0,80€ bis 1,35€. In europäischen Augen ein sehr günstiges Essen. Nimmt man das Durschnittseinkommen von 1.450 Dollar im Jahr und somit 120,83 Dollar im Monat schaut das Bild ganz anders aus.

Im Jahr 2014  lag das Durchschnittseinkommen in Deutschland bei 3527€.

Mein Gehalt wurde damit ziemlich genau getroffen. Obwohl der Durchschnitt war für ganz Deutschland. In den neuen Bundesländern lag der Durchschnitt bei 3652€. Für ein Mann sogar bei 3864€. Als Frau wären es nur 3156€ gewesen.

Die Differenz zu meinem Gehalt wird größer. Mit Hilfe von Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld wird der Durchschnitt dann doch wieder passen. Also nur Durchschnitt?

Die Arbeitszeit

2014 wurden im Durchschnitt pro Woche 35,3 Stunden gearbeitet. Für Vollzeitbeschäftige waren es 41,5 Stunden.  

Bei mir hingegen nur 35 Stunden als Vollzeitbeschäftiger. Der Durchschnittsverdiener hat jede Woche 6,5 Stunden mehr gearbeitet. Oder ich habe nur 84 % des Durchschnitts gearbeitet. Bringe ich die Summe auf 100 % wäre mein Gehalt ein gutes Stück über den 4000€. Somit würde ich im Verhältnis wieder deutlich über den Durchschnitt verdienen. Oder? Grundsätzlich ja, aber…

Beruf und Ausbildung

In dem Topf sind nun aber eine Menge verschiedener Jobs drinne. Was ist den mit dem Softwareentwickler? Oder mit dem Bachelor in Wirtschaftsinformatik?

Ein Softwareentwickeler für die Programmiersprache C# verdient zwischen 39.000€ bis 46.000€. Die golde Mitte läge bei 42.500€.

Mein Gehalt wäre damit wieder recht exakt getroffen. Nur leider weiß man nicht, ob es nun um 35 Stunden geht oder 45 Stunden nun ja. Aus Erfahrungen würde ich 40+ denken. Das Gehalt somit wieder über den Durchschnitt.

Mit dem Bachelor in Wirtschaftsinformatik liegt man um die 40.000€ Einstiegsgehalt in der IT. Bei Firmen mit Tarifbindung bei 43.500€. Natürlich alles ohne Arbeitsstunden angegeben. Man will ja keine schlafenden Hunde wecken.

Ich bin wohl mal wieder im Schnitt darüber oder zumindest ebenbürtig.

Die Aufgaben

Durchschnittsgehälter, Arbeitszeit, Beruf und Ausbildung lassen sich leicht vergleichen. Die konkrete Arbeit und deren Aufgaben wird dann deutlich komplizierter.

Der eine Softwareentwickler dient als One Man Army in der Softwareentwicklung. Er leitet das Projekt und macht noch tausende andere Aufgaben. Vielleicht sogar etwas Teamleitung. Ein anderer Entwickler geht zur Arbeit kriegt ein paar Entwicklungsaufgaben und kann sich voll auf seine Arbeit konzentrieren. 

Kann so einfach ein Softwareentwickler mit einem anderen Softwareentwickler vergleichen? Ich denke nicht.

Gehaltsvergleich ist fast unmöglich

Das ganze ist  im Makrokosmos betrachtet. Man könnte das Thema z.B. auf den Arbeitsort runter brechen. Komplizierte Sache. Von daher finde ich die Gespräche über Gehalt sehr schwierig.

In Berlin z.B. verdient man als Softwareentwickler ein gutes Stück mehr. Insgesamt ist das Durchschnittsgehalt auch deutlich höher angesiedelt. Mit dem höheren Gehalt wäre man wieder nur Durchschnitt.

Alle Vergleich geben immer nur einen groben Kurs vor. An solchen Werten sollte man nie sein Gehalt festlegen. Das Umfeld sollte immer mit eingeschlossen werden. Nie sollte man daher leichtfertig sagen, in Job XY oder in der Stadt verdient man viel mehr.

Oft verdient man nicht mehr, sondern es schaut auf den ersten Blick nur so aus. Mehr gezahlt wird für mehr Leistung und die kann man überall bringen.

Ich bin zufrieden

Für meine eigene Arbeit glaube ich überdurchschnittlich gut in meiner Umgebung bezahlt zu werden. Natürlich in Relation mit meinen aktuellen Arbeitsaufgaben. Mich macht dieser Fakt schon ein wenig glücklich. Keine Ahnung, ob es dabei direkt um den Fakt geht über den Durchschnitt zu sein oder einfach genug Geld zu verdienen für mein persönliches Empfinden.
Gehalt ist natürlich nicht die einzige Wahl für einen Job. Ganz außer acht lässt man das Gehalt jedoch auch nicht.

Meint ihr Gehälter lassen sich vergleichen? Und glaubt ihr euer Gehalt ist vom Gefühl durchschnitt, darüber oder darunter?  

mafis

Arbeitet jeden Tag daran ein bisschen Besser als am Tag davor zu sein. Interessiert sich für Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauersport, Finanzen und Reisen.

14 thoughts to “Gehaltsvergleich – Geht das überhaupt?”

  1. Gehälter lassen sich schwer vergleichen, außer in den nackten Zahlen.
    Die Höhe ist zum Beispiel hängt auch davon ab, in was für einer Firma man arbeitet. Große Firmen lassen meistens mehr springen also kleine Firmen. Aber deswegen muss es noch nicht schlecht sein.
    Ich bekomme zum Beispiel auch nicht die höchsten Gehälter, weil ich in einer kleinen Firma arbeite. Aber dafür ist eine 40h-Woche auch eine 40h-Woche. In manchen Wochen war ich sogar bei ~37h (bei vollem Gehalt). Und das ist schon viel Wert. Zeit kann man kaum mit Geld aufwiegen. Insgesamt bekomme ich aber etwas mehr als der Bundesdurchschnitt der Männer.
    Ich hatte aber auch schon in einer Firma gearbeitet, in der ich 45h arbeiten musste. Da habe ich dann von mir aus gekündigt 🙂

    1. Unternehmensgröße war noch so ein Faktor. Kleine Unternehmen zicken eindeutig mehr bei höheren Gehältern. Gefühlt kann man individuelle Gehälter in kleinen Unternehmen jedoch besser durch bekommen.Anderer Punkt.

      Schön, wenn man bekommt, was man versprochen bekommt. 45 Stunden finde ich persönlich schon wieder ein Frechheit. Grade bei selben Lohn. 37 klingt da viel besser. Die Kündigung kann ich voll verstehen.

  2. In Saudi-Arabien ist man damit sicher nicht in der „Arbeiterklasse“. Das sind leider falsche Vermutungen. Je nach Branche deutlich unter deutschen Niveau… Aber klar, z. B. bei Emirates wird sehr gut gezahlt.

  3. Gehalt ist wirklich schwer zu vergleichen. In meiner Abteilung ist das ab und zu mal ein Thema, wenn ein Kollege die Firma wechselt und dann gute 1000€ mehr im Monat bekommt. Man kann immer mehr verdienen, wenn man es drauf anlegt. Die Frage ist nur, wie glücklich das einen wirklich macht. Jetzt in jungen Jahren lege ich mehr Wert darauf, sehr viel zu lernen statt zu verdienen (im besten Fall klappt natürlich beides).

    1. 1000€ mehr ist schon ne Nummer. Das würde mich mir auch Gedanken machen.

      Glaube in jungen Jahren ist die Weiterbildung die bessere Wahl. Klingt vielleicht etwas blöd. Aber als normaler Arbeitnehmer wird man nur selten bekommen was man verdient, wenn man sich den Arsch aufreißt. Etwas Mehrleistung wird über die Jahre meist gut honoriert. Aber dieser Sprung nach einem Jahr zum … Leiter ist meist sehr schwer.

  4. Was gehört überhaupt zum Gehalt? Ich habe auch schon Fälle von Menschen gesehen, die haben über 10.000 € im Jahr bei einer anderen Firma mehr hatten. Dafür haben sie nicht darauf geachtet, das andere Vergünstigungen für z.B. Arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge weggefallen sind. Um das zu kompensieren, war dann plötzlich sogar nur noch weniger da. Obwohl der Job (auf Grund des höheren Gehalts?) sehr viel anstrengender und „kompetitiver“ war.

    1. Hey,
      das stimmt. Gehalt ist nicht nur die Zahl auf der Gehaltsabrechnung. Vergünstigungen vergisst man leider zu schnell. Bei meinen alten Arbeitgeber gab es z.b. kostenloses trinken und so eine All-in-One Maschine. Eine Kleinigkeit, aber dennoch eine Art Boni. Altersvorsorge wird gerne unter den Teppich gekehrt.

      Beim Thema Gehalt muss man wirklich alle Seiten beleuchten. Nur auf das Gehalt auf der Abrechnung zu achten wäre ein Fehler.

  5. Im öffentlichen Dienst lässt sich das ggf. leichter aber auch nicht direkt vergleichen. Beispiel weiß man was eine Krankenschwester im TVÖD, im TVUK oder im TVL verdient (= leicht verglichen).
    Was man nicht direkt weiß ist ggf. die EIngruppierung (je nach Tätigkeitsart) oder die Stufe (Betriebszugehörigkeit), die aber oft nur wenig ausmacht.
    Wenn man die Tätigkeitsart weiß, dann ist oft der einzige Unterscheidungsfaktor der, ich nennes es mal so, Arbeitsaufwand: Also habe ich 2, 4, 8 oder 15 Patienten zu betreuen (in einem vergleichbaren Tätigkeitsbereich = Tätigkeitsart). Es gibt Kliniken da betreut man 1 oder 2 Intensivpatienten pro Pflegekraft und es gibt Kliniken da sind es pro Pflegekraft 4-5 Patienten. Die „Krankheitsschwere“ mag ggf. noch variieren, aber die „Grundversorgung“ oder Schwere ist fast immer gleich.
    Hier ist es also leichter wenn man nur nach Gehalt und Arbeitszeit geht.
    Sonstige „Leistungen“ wie betriebliche Altersvorsorge oder Stundenkontenmodelle/Auszahlmodelle, machen es wieder schwerer.
    Da ist der öffentliche Dienst dank „fast einheitlicher Zahlen“ / Grundlagen und Tarifverträgen aber ggf. ein Sonderfall der Vergleichbarkeit.

    1. Hey,
      Tarife lassen sich wirklich gut vergleichen. Meine Kollegen haben z.B. alle die selbe Tarifgruppe, wie ich. Das ist wirklich sinnvoll grade, wo jeder die selbe Arbeit macht.

      Pflege ist natürlich schon ein wenig ein Spezialfall. Aber wenn du sagst es ist vergleichbar, dann ist es in der Richtung ja gut.

      Ich denke alle Tarifverträge lassen sich recht gut vergleichen. Aber stimmt öffentlicher Dienst ist sehr gleichmäßig. Bonis,… sind dort eher rah. Nicht wie bei vielen Unternehmen mit Tarifverträgen.

  6. Vergleiche sind der erste Schritt zum unglücklich sein, weil man gerne den falschen Bezugspunkt wählt. Das ist beim Gehalt ebenso. Ich komme von der anderen Seite, bin also Arbeitgeber. Ich versuche meinen Mitarbeitern klar zu machen, dass ich mit Haus und Hof im Risiko stehe und meine Rente (aus meinem vorherigen Leben) sicherlich kleiner ist, als die meiner Angestellten. Wenn es mir gelingt, meine Vision und meine Begeisterung zu übertragen, dann spielt Geld keine entscheidende Rolle, zumal ich mit einer Jahresprämie versuche, Gerechtigkeit bei Erfolg herzustellen und meine unternehmerischen Gedanken transparent zu machen. Einen Großteil seiner Zeit in der Wachphase verbringt der Mensch bei seiner Arbeitsstelle, so dass Sinnhaftigkeit der Arbeit und das gute Betriebsklima Faktoren sind, die man nicht messen kann, aber unglaublich wichtig sind für eine Lebenszufriedenheit.
    Gegenseitige Wertschätzung ist auch so ein SoftSkill, wo ein paar fehlende Euro aus meiner Erfahrung überhaupt keine Rolle spielen.
    Wenn Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen und sich wohlfühlen, und im Team gemeinsam Ziele erreichen möchten, erübrigt sich ein Gehaltsvergleich mit anderen Firmen.
    Intern muss im Gehaltsgefüge aber eine erkennbare Gerechtigkeit herrschen, das erscheint mir elementar wichtig und ich löse es, in dem ich die Verteilung der Jahresprämie den Mitarbeitern überlasse. Als persönliches Korrektiv erlaube ich mir, bei Einzelnen noch oben was drauf zu legen mit Worten des persönlichen Danks und persönlicher Motivation.
    Diese persönlichen Briefe sind aus meiner Sicht die beste Investition, weil sie eine persönliche Wertschätzung und Anerkennung von besonderer Leistung sind.

    Sorry, war ein bisschen lang, aber ich finde die Gedanken in diesem Blog so vielschichtig und toll, dass ich wenigstens an einer Stelle auch mal was (Vernünftiges?) beitragen wollte.😄

    1. Kommentare sind immer gern gesehen und finde dem Beitrag sehr vernünftig. Grade aus der Sicht eines Arbeitgeber.

      Dabei finde ich ebenso das Softskills eine viel größere Bedeutung haben, als das liebe Geld. Man kann soviel Geld verdienen wie man will, wenn es irgendwo nicht passt, dann zerfrisst es einen langsam. Persönlich würde ich sogar sofort kündigen, wenn dieser Bereich über einen gewissen Zeitraum nicht passt. Dabei denke ich jede Arbeit kann dabei zur Erfüllung werden. Selbst die vielleicht eher belächelten Jobs, wie Kassiererin oder so können für manche Leute genau richtig sein. Auch wenn man die Gehaltlich teilweise etwas mehr Wertschätzen könnte.

      Besonders finde ich deinen Ansatz mit dem Boni interessant. Boni gibt’s ja oft. Aber die Entscheidung den Mitarbeiter zu überlassen finde ich gut. In einem guten Team wird das denke ich auch entsprechend gewürdigt. In einem schlechten Team hat man eh ganz andere Probleme dann. Für mich war zuletzt das persönliche echte Lob für meine Arbeit meist mehr Wert als die 500€ Boni wegen Überstunden zur Messe. Natürlich war der Boni nett. Aber auf lange Sicht hat das Lob am längsten nachgewirkt.

      1. Volle Zustimmung. Ich kann mich noch sehr gut an den ehrlichen Dank meines letzten Chefs erinnern, den er für eine selbstlose Entscheidung von mir selbst nach einem halben Jahr danach nochmal explizit ausgesprochen hat. Dass ihm das aufgefallen war und dass ihm dies so wichtig war, das nochmal zu würdigen war mir sehr viel mehr wert als irgendeine Prämie. Für solche Chefs arbeitet man gerne.
        Die Macht eines Lobs wird in der Arbeitswelt meines Erachtens nach viel zu sehr unterschätzt. Gerade die Mentalität in meiner Wahlheimat ist mir schleierhaft: „Nicht geschimpft ist genug gelobt“ (gerne auch mit einem fiesen Dialekt ausgesprochen)

Kommentar verfassen